Deutscher Mannschaftspokal 2026
Am 24./25. Januar traten wir in einer der 8 Vorrunden in Stendal an. Unsere Mitstreiter waren der Ausrichter, Stendaler SK, der Lübecker SV sowie Post SV Uelzen. Nur der jeweils erste jeder Vorrunde würde sich für die Zwischenrunde am 7./8. März qualifizieren. Dort kämen dann noch die Top 8 aus dem Vorjahr dazu.
Unser Schiedsrichter, Bernhard Riess, hatte sich eine sehr originelle Art der Auslosung der Halbfinalpaarungen ausgedacht. Jeder Mannschaftsführer mußte aus einem Kartenspiel mit Bildern prominenter Schachspieler aus allen Epochen eine Karte ziehen, und dann kamen anhand der Elozahlen der Spieler die Paarungen zustande. Ich zog Capablanca, der Kollege aus Stendal zog einen gewissen Herrn Carlsen. Das waren die beiden Spieler mit den höchsten Elozahlen, und so lautete unser Match am Samstag Stendaler SK gegen St.Pauli.
Wir traten an mit Aljoscha Feuerstack, „Bene“ Krause, Triona Eberle sowie Daniel Otis Thieme. Das „Problem“ mit uns vielleicht nicht so bekannten oder kleineren Vereinen ist: Schach spielen können sie alle, und gerade an den ersten 4 Brettern trifft man schon auf das eine oder andere Elo-Schwergewicht. Stendal hatte z.B. mit Dr. Boris Kargoll und mit Karsten Hansch vorne 2 Spieler mit über 2200 Elo sowie mit Stephan Hansch (Elo 2163) und Felix Ehrecke (Elo 1841) weitere sehr respektable Gegner.
Den ersten vollen Punkt steuerte Daniel bei. Er hatte ideenreich gegen die Grundreihenschwäche seines Gegners gespielt, aber Felix schaffte es irgendwie, seine Stellung zusammen zu halten. Nach einem Fehler brach dann aber die schwarze Stellung schnell zusammen .Als nächster erspielte sich „Bene“ mit Schwarz am 2. Brett gegen Karsten Hansch einen größeren Vorteil. Bene spielte im offenen Sizilianer eine Variante mit früher Läuferentwicklung nach c5 . Er konnte im 15. Zug mit Sxd3 den weißfeldrigen Läufer abtauschen, es drohte dann keine Gefahr mehr am Königsflügel. Bene drang am Damenflügel in die weiße Stellung ein und gewann recht hübsch mit einem damenlosen Mattangriff.
Aljoscha mußte an Brett 1 länger um einen Vorteil kämpfen. In einem Slawen hatte Schwarz eine Bauernstellung d5, e6, f5,g6; der schwarzfeldrige Läufer sicherte aber die schwarzen Felder. Aljoscha schaffte es, durch eine hübsche Taktik die schwarzfeldrigen Läufer zu tauschen. Boris mußte sich dann mit Dame und schlechtem weißfeldrigen Läufer gegen Dame und Springer verteidigen. Aljoscha kam aber auf den schwarzen Feldern zu einem schnellen Mattangriff. Triona hatte an Brett 3 gegen Stephan Hansch einen deutlichen Elo-Nachteil. Das war auch die Partie, wo ich mir ein wenig Sorgen machte. Sie erkämpfte sich dann aber sehr konzentriert das Remis.
Auch der Lübecker SV gewann seinen Mannschaftskampf mit 3,5 zu 0,5 (gegen Post SV Uelzen). Das Gruppenfinale am Sonntag war hochdramatisch und wirklich nichts für schwache Nerven.
Der Lübecker SV spielte mit folgender bärenstarker Mannschaft: Brett 1 und Brett 2 die beiden Youngster Bruno Engel und Tom Linus Bosselmann, an Brett 3 und Brett 4 die erfahrenen Klaus-Günther Besenthal sowie Thilo Koop. Wir hatten einen Brettertausch. Bene spielte an Brett 1 mit Weiß, Aljoscha an Brett 2 mit Schwarz.
Der Start verlief alles andere als vielversprechend, um es vorsichtig auszudrücken.Thilo erspielte sich gegen unseren Daniel schnell einen deutlichen Vorteil. Bene an Brett 1 hatte in der Caro Kann Abtauschvariante als Weißer nicht mehr als Ausgleich. Aljoscha mußte sich gegen Katalanisch verteidigen, Weiß hatte aber einigen Eröffnungsvorteil. Triona trat an Brett 3 gegen das Londoner System von Klaus Günther Besenthal an; das ist bekanntermaßen seine Lieblingseröffnung.
Triona spielte die Eröffnung sehr originell und erfindungsreich; sie hatte eine ungewöhnliche Bauernstellung g6, f6, e6. Ich schätzte das als etwas verdächtig ein. Triona verstand ihre Stellung glücklicherweise viel besser als ich. Sie stand nie schlechter, hatte sich sogar einen leichten Vorteil erspielt und erreichte ein sicheres Remis.
Bei Bene war das Remis früh absehbar. Es blieben die Partien von Daniel und von Aljoscha. Daniel kämpfte wirklich verbissen, aber zwischendurch hatte er wohl keine große Hoffnung mehr, die Stellung noch zu halten. Er meinte einmal beim Rausgehen, er müsse sich wohl ein neues Hobby suchen. Inzwischen war aber die Partie von Aljoscha gekippt .Aljoscha hatte ein Qualitätsopfer gebracht und schien mehr als ausreichende Kompensation zu haben.
Ob es zum Gewinn reichen sollte, konnten wir alle nicht abschätzen. An Brett 4 geschah dann doch noch ein kleines Wunder. Daniels Stellung verbesserte sich. Er mußte zwar noch in einem unangenehmen Turmendspiel leiden, hielt das aber mit genauem Spiel Remis. Als dann noch Aljoscha sein Endspiel gewann , hatten wir einen schwer erkämpften 2,5 zu 1,5 Sieg herausgespielt und die Zwischenrunde der letzten 16 Mannschaften erreicht.
Besonders erfreulich aus Hamburger Sicht: Auch die Schachfreunde Hamburg habe ihre Vorrunde gewonnen! Nach einem 2:2 am Samstag gegen Bünde setzten sie sich im Blitzen mit 3:1 durch. Sehr überraschend war aber dann das deutliche 3,5 zu 0,5 im Finale gegen SC Heimbach-Weis-Neuwied. Herzlichen Glückwunsch!
Die Gruppeneinteilung für die Zwischenrunde ist auch gerade erfolgt .Wir treffen auf die SG Leipzig, den SKSontheim/Brenz sowie die OSG Baden-Baden. Dort ist ein gewisser Herr Keymer an Brett 1 gemeldet.Der Austragungsort steht noch nicht fest.
Vielen Dank an unseren Ausrichter,den SK Stendal und an unseren Schiedsrichter, Herrn Bernhard Riess!
Für uns war es ein tolles Wochenende. Die Stimmung wurde auch nicht dadurch getrübt, daß Triona sehr zur Freude von Aljoscha beim abschließenden Mannschaftsessen fast den gesamten Chat-Verlauf der Signalgruppe vorgelesen hat. Vielen Dank fürs Daumendrücken!
Rüdiger Breyther

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