Unterwegs

Rudolf-Teschner-Gedenkturnier 2026

Rudolf-Teschner-Gedenkturnier 2026 Berlin

Am 14. Mai 2026 starteten fast 170 Schachbegeisterte beim Rudolf-Teschner-Gedenkturnier in Berlin, darunter die St.Paulianer Triona, Bernd, Heinz-Werner, Michi, Olli und Methusalix Rüdiger. Olli mußte das Turnier nach zwei Tagen aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Die Diagnose war glücklicherweise nicht so besorgniserregend wie zunächst befürchtet.

Die übrigen St.Paulianer landeteten auf folgenden Plätzen: Rüdiger: 19, Triona: 22  Bernd: 24, alle mit 5 aus 7; Heinz-Werner: 67, Michi: 149. Triona gewann den 1. Frauenpreis, während Bernd und ich die Seniorenpreise abstaubten. Das Turnier gewann IM Marius Fromm vor IM Alberto Barp und IM Arnd Lauber .

Ein kleines Fazit über unsere „Darbietungen“

Ollis 2,5 aus 4 brachten ihm immerhin noch 4 ELO-Punkte. Unser Pechvogel war sicherlich Michi, der reihenweise klare Gewinnstellungen vergab. Heinz-Werner war mit seinen 50 Prozent nicht zufrieden. Besonders in seinen Schwarz-Partien waren die oft sehr jungen Gegner unheimlich gut auf seine Systeme vorbereitet.

Bernd spielte bis auf einen Ausrutscher in der 3. Runde ein sehr gutes Turnier. In der 2. Runde gegen GM Richter sah es lange nach einem Remis aus. Erst auf der Zielgeraden brach Bernd ein. Triona überzeugte nach einer völlig unnötigen Auftaktniederlage wieder mit ihrer Moral und ihrem erfindungsreichen taktischen Spiel. Schach-Opa Rüdiger blieb ungeschlagen. Er spielte nicht ganz so grottenschlecht wie zuletzt in den Mannschaftskämpfen.

Austragungsort war das Rathaus Schöneberg, schon ein beeindruckendes Bauwerk. Beim barrierefreien Zugang gibt es aber Handlungsbedarf. Dagegen verhalfen die vielen fleißigen Hände vom Schiedsrichterteam bis zu den guten Geistern am Buffet zu einem reibungslosen Ablauf des tollen Turniers!

Besonders auffällig war die große Anzahl der jungen Talente. Manche konnten gefühlt kaum über den Tischrand gucken und hatten schon eine Wertungszahl von über 1900.

Ich hatte während des Turniers mit einem selbst verschuldeten Malheur zu kämpfen.Ich erlitt einen kleinen Gichtanfall, kam dann aber auf die glorreiche Idee, das in Berlin unbehandelt aussitzen zu wollen. Ich konnte am Ende des Turniers kaum noch gehen, und ohne die Hilfe meiner St.Pauianer wäre ich sicherlich nicht heil in Hamburg angekommen. Ein großes Dankeschön an alle, besonders an Bernd!

Leider gab es dann noch einige Komplikationen, so daß ich schweren Herzens die „Hamburger“ absagen mußte. Inzwischen geht es dem alten Esel aber schon wieder besser!

Rüdiger

Einen Überblick über alle Ergebnisse findet Ihr hier: Ergebnisse Rudolf-Teschner-Gedenkturnier 2026 in Berlin.

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Pokal-Aus in Leipzig

Am 7.3. / 8.3. trafen in Leipzig die OSG Baden-Baden, die SG Leipzig, der SK Sontheim/Brenz sowie unser FC St. Pauli zu einer der vier Zwischenrunden im Deutschen Mannschaftspokal aufeinander. Warum kommt der Artikel erst jetzt? Ich habe gewartet, bis die Tränen über unser Pokal-Aus getrocknet waren, vielleicht doch nicht die beste Ausrede für meine Schreibfaulheit.

Wir verloren gegen SK Sontheim/Brenz nach einem 2:2 aufgrund der schlechteren Berliner Wertung. Hier die Einzelergebnisse, wir hatten an den Brettern 1 und 4 Schwarz:

Brett 1: Aljoscha Feuerstack 0:1 Neil Albrecht
Brett 2: Martin Voigt 1:0 Thomas Brückner
Brett 3: Triona Eberle 0:1 Sören Pürckhauer
Brett 4: Daniel Otis Thieme 1:0 Kevin Walter

Aljoscha kam eigentlich gut in seinem Sizilianer aus der Eröffnung heraus, er entschied sich dann für einen Qualitätsgewinn, der Weiß aber ausreichend Kompensation gab. Nach beiderseitigen Ungenauigkeiten wuchs die weiße Initiative an, Aljoscha verpaßte im 30. Zug eine Ausgleichsfortsetzung und mußte wenig später aufgeben.

Martin spielte gegen seine „eigene“ 4. – Sf6 Variante im offenen Caro-Kann. Mir schien das schwarze Gegenspiel zwischendurch recht stark zu sein, aber wahrscheinlich war ich mal wieder zu pessimistisch. Martin blockte alles ab und gewann mit seinen üblichen taktischen Finessen.

Triona hatte im Mittelspiel Vorteil, eine Druckstellung mit zwei Türmen und Läuferpaar gegen zwei Türme und zwei Springer bei noch fast allen Bauern auf beiden Seiten. Daniel spielte gegen das 2-Springer-Spiel im Caro-Kann eine positionell etwas riskante Variante mit Fianchetto des schwarzfeldrigen Läufers. Seine Stellung wirkte zunächst passiv, aber sehr fest.

Triona bekam ein Remisangebot. Ich bat sie weiterzuspielen und trug damit leider zu unserem Ausscheiden bei. Triona verlor die knifflige Stellung, aber Daniel gewann. Wie oben erwähnt, reichte uns das 2:2 nicht.

In der Parallelbegegnung kam die OSG Baden-Baden zu einem 4:0 Erfolg gegen die SG Leipzig, aber auch da waren die Partien sehr lange umkämpft.

Im Finale am Sonntag schlug sich Sontheim sehr wacker bei der 1:3 Niederlage gegen Baden-Baden. Besonders wertvoll war das Remis an Brett 1 von Neil Albrecht (ELO 2252) gegen den ehemaligen Fide-Weltmeister GM Rustam Kasimdzhanov (ELO 2668).

Es gibt aber auch etwas Erfreuliches aus Hamburger Sicht zu berichten. Die Schachfreunde Hamburg konnten gegen die SF Augsburg gewinnen und sind dadurch schon für die Zwischenrunde im nächsten Jahr qualifiziert. Herzlichen Glückwunsch! Sie verloren dann zwar gegen die ELO-Riesen aus Viernheim, aber sehr achtbar mit 1:3.

Unser Ausflug nach Leipzig war trotz der schachlichen Enttäuschung ein tolles Erlebnis .Wir hatten z.B. am Sonntag noch eine 2-stündige Führung durch die Altstadt. Das war schon sehr beeindruckend. Ich alter Kultur-Banause wußte gar nicht, welche berühmten Musiker alle mit Leipzig verbunden sind.

Die Rückfahrt verlief dann doch etwas abenteuerlich. Wir hatten fünf Sitzplätze im Wagen 7 gebucht, es gab aber keinen Wagen 7 – das war der Speisewagen. Wir fanden dann noch alle Platz auf den dortigen Holzbänken, in netter Gesellschaft von einigen angetrunkenen, aber friedfertigen Fußball-Fans. Sie waren aber doch ein klein wenig anstrengend. Aljoscha hatte uns einige schwierige Endspielaufgaben auf seinem Schachbrett gestellt. Die Fußball-Fans wollten dann des Öfteren hilfreich eingreifen. Na ja – ich hoffe nur, daß die Herren gut zu Hause angekommen sind.

Es gab aber trotz des ausgefallenen Wagons durchaus etwas Positives über die DB zu berichten. Wir waren fast pünktlich, hatten nur etwas über 50 Minuten Verspätung.

Ach, eine Sache sollte ich noch erwähnen. Wir spielten einige Partien 2 gegen 2 in der Variante „Hand & Brain“, d.h. der eine sagte die Figur an, die gezogen werden sollte, der andere führte dann einen Zug mit der Figur aus. Einmal spielten Triona und Daniel gegen Martin und Schach-Opa Rüdiger. Daniel sagte an „Dame“, Triona zog dann auch mit der Dame. Warum ihr Zug Dxa7 bei Daniel Verzweiflung auslöste und bei Triona beste Stimmung, sei hier nicht verraten. Das müßt Ihr sie schon selbst fragen!

Vielen Dank bei unseren Leipziger Gastgebern, war alles prima bis auf unser Ergebnis, und beim Schiedsrichter Mathias Schwenck!

Rüdiger Breyther

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Offerspill Vorbericht

Stellt Euch vor, Ihr kommt in einer Stadt, in der Ihr noch nie wart, in eine Kneipe, und jemand ruft vom Tresen: „Gary!“. Also, stellt Euch natürlich vor, er ruft Euren Namen. Aber der Reihe nach.

Am Wochenende trifft sich St. Pauli Schach in Oslo mit Offerspill, dem Club von Magnus Carlsen. Am Freitag findet ein Blitzturnier im „Good Knight“ statt, der Schach-Kneipe in Oslo schlechthin. Auch unser Bundesligaspieler David Howell wird vorbeischauen. Für den Samstag ist ein Freundschaftsmatch gegen Offerspill angesetzt. Außerdem gibt es noch weitere spannende Programmpunkte, die von Oliver und Jon-Kristian, dem Vorsitzenden von Offerspill, liebevoll arrangiert worden sind.

Ich bin schon seit heute in Oslo, damit ich endlich auch mal bei irgendwas der Erste bin 😊.

Ich war in grauer Vorzeit schon einmal hier, um so etwas langweiliges wie Software-Kurse zu geben, habe aber von der Stadt damals nichts gesehen. Der erste Eindruck beim Rundgang heute war faszinierend. Ich entschuldige mich bei allen Oslo-Kennern, aber meine erste Assoziation war: Helsinki. Die Bauten nordisch, aber viel massiver als zum Beispiel in Kopenhagen. Es wimmelt von kleinen Läden und Cafés, Staatstragendes und Szene scheinen nahtlos ineinander überzugehen.

Besonders beeindruckt hat mich die Vielzahl an Statuen, die man in der Innenstadt findet. Dabei sind nicht nur die Großen und Mächtigen dargestellt, sondern einfache Menschen. Kinder, Arbeiter, ein Widerstandskämpfer aus dem Zweiten Weltkrieg mit Schiebermütze und Fahrrad. Man hat auf den ersten Blick den Eindruck, dass hier Wert auf die Gemeinschaft gelegt wird, auf den Alltag.

Aber das wollte ich ja eigentlich gar nicht erzählen. Ich wollte den Oslo-Fahrern, die erst später in der Woche hinzustoßen, ein paar Tipps mitgeben. Zunächst: Es ist kalt hier, nicht eisig, aber kalt. St. Pauli Hoodie und Wintermantel sind ein gute Idee. Nicht nur eins von beiden. Die Gegend um den Flughafen ist noch ordentlich verschneit. Aber auch in den Parks der Innenstadt krallen sich noch ein paar Eisreste am Boden fest.

Die schnellste Art in die Innenstadt zu kommen, war für mich der Schnellzug Flytoget. Den vom Flughafen aus in Richtung Drammen nehmen, aber an der zweiten Station Oslo Central Station bereits wieder aussteigen. Wenn Ihr am Sonntag wieder zurück wollt, kauft Euch am besten nur ein One-Way-Ticket. Der Flytoget fährt am Sonntag wegen Renovierungsarbeiten auf der Strecke nicht. Es gibt Schienenersatzverkehr. Ansonsten Bus oder Taxi.

Nach dem ersten Rundgang durch die Stadt wollte ich mir am Abend natürlich schon mal das „Good Knight“ – grandioser Name – ansehen. Ich war kaum durch die Tür, als jemand vom Tresen meinen Namen rief. Da stand nämlich die norwegische Filmcrew, die am letzten Bundesligawochenende das Porträt über St. Pauli Schach gedreht hat, das jetzt nach und nach auf Social Media veröffentlicht wird. So schnell gewinnt man neue Freunde.

Das „Good Knight“ an sich ist ein kleines Kunstwerk. In jeden Tisch ist ein Schachbrett eingearbeitet. Figuren gibt’s an der Theke. Bier auch. Und überall in der Kneipe sitzen Männer und Frauen jeden Alters und spielen Schach. Manche mit professionellen Schachuhren, manche mit Handy als Schachuhr, manche völlig zeitlos. Aber alle mit viel Freude und irgendwie tiefenentspannt.

Ich freue mich schon darauf, wenn Ihr nachkommt, und wenn’s am Freitag richtig losgeht. Habt eine gute Anreise!

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Problemschach: Da habt Ihr was verpaßt

Barmbeker Schachklub Logo

Aus Anlaß seines 100-jährigen Bestehens wartet der Schachklub Barmbek dieses Jahr mit vielen Veranstaltungen auf. Einen besonderer Höhepunkt bot das Wochenende am 14./15.Februar. Der „Problemschach-Guru“ Frank Reinhold gab eine 2 x 8 stündige Einführung ins Problemschach.

15 Teilnehmer,darunter Problemschachneulinge, wie meine Wenigkeit, aber auch alte Problemschach-Hasen, wie z.B. Hauke Reddmann, fanden sich am 14.Februar um 10:00 Uhr in der Ilse-Löwenstein Schule in Barmbek ein.

Was soll ich sagen: Die Veranstaltung war einfach phantastisch. Frank führte in die Welt der Zwei-und Mehr-Züger, der Hilfs-und Selbst-Matts sowie der Studien an Hand von faszinierenden Beispielen ein. Er erläuterte Begriffe wie „Verräter“, „Mustermatt“ und stellte Lösungsstrategien für die einzelnen Themengebiete vor. Er führte Qualitätsmerkmale zur Bewertung von Schachproblemen an und gab sogar noch Tipps, um eigene Schachprobleme zu komponieren.

Zum Schluß der Veranstaltung folgte noch ein kleines Lösungsturnier. Da habe ich nun wirklich nicht geglänzt, um es milde zu formulieren. So begeisternd wie die Veranstaltung auch war, für mich könnte sie durchaus negative Konsequenzen haben. Ich habe mich nämlich in die Selbstmattaufgaben „verliebt“. Es könnte durchaus riskant sein, wenn Torsten David mich diese Saison nochmal als Ersatz in der dritten Mannschaft einsetzt. Ich könnte in Versuchung geraten, ein Selbstmatt am Brett zu komponieren. Das würde ich aber nur machen, wenn wir schon 4,5 Punkte auf dem Konto hätten. Versprochen!

Die Rahmenbedingungen der Veranstaltung ließen auch keine Wünsche offen. Es gab ein umfangreiches Buffet, die Kartoffelsuppe mit Würstchen landete vor allem in Haukes Magen. Die Barmbeker waren wirklich sehr herzliche Gastgeber. Vielen, vielen Dank!

Die nächste Veranstaltung folgt schon am 3. März ,dort hält GM Dorian Rogozenco einen Vortrag zum Thema „Schachpartien 1926“. 1926 wurde ja der Schachklub Barmbek gegründet (weitere Infos auf der Homepage des Schachklub Barmbek).

Rüdiger Breyther

100 Jahre Barmbe(c)ker Schachklub

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Abenteuer Schachbundesliga: das 2. Ligawochenende in Neuwied

Text: Frank Sawatzki

Vorab: Unter dem Link findet man ein paar Stellungen vom Wochenende als Aufgaben. Den Link unbedingt im Browser und nicht in der Lichess-App öffnen: https://lichess.org/study/nGcdyJal/js6qdfF9

Am Freitag machte sich unsere 1. Mannschaft auf den Weg nach Heimbach Neuwied, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Koblenz. Wir flogen und fuhren aus allen Himmelsrichtungen heran: Aus Frankreich, Korsika, Marc`Andria mit seinem Vater per Auto, per Flugzeug die Großmeister Johan-Sebastian Christiansen, Jonas Bjerre und Igor Janik, die von Oliver aus Frankfurt mitgebracht wurden, Aljoscha kam per Bahn aus dem Süden und Hajo, Giso und Frank direkt aus Hamburg.

An dieser Stelle möchte ich der Organisation durch unser Team aus dem Vorstand, allen voran Hajo und Oliver, die uns an diesem Wochenende betreuten, sehr herzlich danken: Hajo, der uns aus Hamburg begleitete, Bahntickets, An- und Rückreise, Hotel, Taxi und vieles mehr organisierte. Oliver, der die per Flugzeug angereisten GMs in Frankfurt einsammelte und nach Neuwied brachte und seit Monaten hinter den Kulissen den Kontakt zum Sponsor Weißenhaus und den Carlsens hält und die PR, inzwischen zusammen mit Alexandra, verantwortet.

Am ersten Wochenende in Dresden, wo wir gute Chancen hatten, mussten wir leider auf alle neuen Top-Spieler verzichten, und am Ende erwieß sich die Gegnerschaft doch als etwas stärker. In Neuwied waren wir vorne zwar stärker, aber Bartosz und Monika Soćko fehlten und natürlich Bene.

Match gegen den deutschen Meister Viernheim (Samstag)

Am Samstag nun mussten wir in Runde 3 nun gegen den amtierenden deutschen Meister Viernheim ran. Viernheim spielte zwar auch nicht mit ihren Topleuten wie Nakamura, aber selbst ihre “Ersatzspieler” brachten am 8. Brett immer noch 2550 auf die Waage, sodass wir im Schnitt an jedem Brett im Schnitt 160 (!) Elo-Punkte weniger hatten. Als klarer Underdog verloren wir schließlich 2-6, lieferten aber einen großen Kampf und hatten durchaus Chancen.

Aljoscha (Diagramm oben) hatte seinen Gegner, Amin Bassem, in einer Schottischen Partie klar überspielt und im besten Stil zwei Bauern geopfert. Weiß hat für die beiden Bauern klaren Entwicklungsvorsprung und Chancen auf den schwarzen Feldern in Verbindung mit Sf6+. Auch die Dame von Schwarz steht angreifbar. Aber was nun? Aljoscha entschied sich für 1.Sbc5 (andere Züge waren besser) und gewann in der Folge forciert eine Figur, aber Schwarz konnte dann lang rochieren und schließlich sogar mit Vorteil kontern (Diagramm unten nach …Tde8): Der Läufer hängt und hat keine guten Rückzugsfelder, im nächsten Zug kommt f7-f5 nach Wegzug des Springers Lxc3 mit Angriff auf die Dame. Trotz Mehrfigur ist Weiß hier überraschend bereits in Schwierigkeiten und Bassem sicherte seinem Team schließlich den Punkt.

Igor wurde von Anton Korobov im Stil von Alpha 0 überspielt, (man beachte die Dame auf Dh1), der in der Diagrammstellung (unten) vorentscheidend zu 1.Sxf7! griff.

Jonas wurde in einem eigentlich noch ausgeglichenen Endspiel lange von Chithambaram Aravindh geprüft und zuletzt doch noch niedergerungen. Aravindh hat gerade die magischen 2700 übersprungen. An Brett 1 hatte Johann relativ schnell gegen Sarana remisiert, nachdem er diesen in einer kritischen Nebenvariante der Wiener Partie geprüft hatte. Marc`Andria spielte eine auch von Teamkollege Magnus Carlsen gespielte Variante gegen Caro-Kann und hatte zumindest optisch etwas mehr vom Spiel, musste sich gegen den starken Großmeister David Anton Guijarro am Ende aber (auch) noch strecken, um zu remisieren.

Neben Aljoscha hatten wir indes gute Chancen an den Brettern 7 und 8: Jonah (Diagramm oben) spielte an gegen den ehemaligen Nationalspieler Georg Meier eine gute Partie und hätte in der Diagrammstellung mit 1.Lxf5 gefolgt von 2.Dg4 starken Druck entwickeln können. Dagegen gab das naheliegende 1.Tf3 Weiß nicht viel und die Partie endete bald unentschieden – aber auch das natürlich ein toller Erfolg für Jonah, der mit 2,5/4 und einer Performanz über 2500 klar auf IM Norm Kurs ist!

Und auch Giso überspielte seinen Gegner Großmeister Tarlev im Endspiel: In der Diagrammstellung oben musste Weiß am Zuge zu 1.Kh2 greifen, da 1.Kf1 wegen 1…Sf4 (droht matt und e6 hängt) die Qualität verliert. Danach wurde der c-Bauern stark, für den Weiß schließlich den Springer geben und auf ein Remis im Endspiel T+S gegen T setzen musste. Nachdem Giso eine Gewinnchance verpasst hatte, endete aber auch diese Partei friedlich. Wenn man durchzählt, hätten die vergebenen Chancen mit etwas Glück also bereits zu einem 4-4 gereicht.

Ich selbst glaubte meinen Gegner in der Eröffnung überraschen zu können, aber Dennis Wagner brachte eine vermutlich ältere Vorbereitung aufs Brett und opferte in einer typisch slavischen Struktur überraschend einen Bauern. Ich hielt zunächst gut dagegen und hatte in der Diagrammstellung soeben 1.…g5 gefunden, um den Läufer nach g3 abzulenken, was auch geschah. Der Witz von …g5 ist, dass man nun nach 2…Sd7! 3.Sg6? das Schach auf a5 hat und der Läufer nicht dazwischenziehen kann. Ich hatte aber Sorge, dass er nach 2…Sd7 mittels 3.Sxc6 opfert und dann mit Lb6, Tc1 und c6 nachsetzt. Diese Sorgen waren allerdings unberechtigt. Aus den genannten Gründen entschied ich mich in der Diagrammstellung oben statt 2…Sd7 für den zweischneidigen Zug 2…Da5?!+, der den weißen König immerhin nach d1 treibt in der Hoffnung, ggf. unter Turmopfer schnell zu rochieren und den König nach Öffnung der Stellung mit …f6 und …e5 unter Beschuss zu nehmen. Das ganze Konzept erwieß sich aber schließlich als zu riskant und trotz gewisser Gegenchancen sicherte sich der Großmeister in beiderseitiger Zeitnot schließlich den Punkt.

Trotz der Niederlage war die Stimmung am Samstagabend beim gemeinsamen Essen gut und wir blickten hoffnungsvoll auf das Match gegen den Gastgeber Neuwied. Da es am Sonntag schon um 10 losging, blieb allerdings nicht so viel Zeit zur Vorbereitung. Grundsätzlich ist die Vorbereitung Wochen im Voraus schwierig, weil jeder Kader aus max. 16 Spielern besteht; gelegentlich erlauben zeitlich angrenzende Turniere Rückschlüsse, aber es bleiben im schlechtesten Fall noch immer 6 mögliche Spieler übrig. Im Voraus ist eine punktgenaue Vorbereitung daher besonders an den hinteren Brettern fast unmöglich.

Match gegen Neuwied (Sonntag)

Gut vorbereitet war jedenfalls Johann, der seinen Gegner mit einer Nebenvariante in der vielgespielten katalanischen Partie überraschte und am Spitzenbrett schnell ausglich.

Jonas setze seine Gegner in einer bekannten Stellung des Londoner Systems bzw. der Abtauschvariante der Caro-Kann Verteidigung unter Druck (Diagramm oben). Weiß hat mehr Raum und den aktiven Läufer und daher einen kleinen, aber dauerhaften Vorteil, den Jonas schließlich in einen Gewinn umsetzte. In der Diagrammstellung unten setzte er gleich mit g2-g4 fort und gewann später.

Marc`Anria hatte in einem klassischen Damengambit mehr als ausgeglichen und sich einen soliden Vorteil herausgespielt (Diagramm oben), griff dann aber mit dem naheliegenden 1…Tb2 daneben (besser wäre 1…Se4 gewesen), vermutlich, weil er den folgenden taktischen Trick übersehen hatte (nächstes Diagramm): 5.Sxb7! und Weiß gewinnt wegen der Fesselung den Bauern mit leichtem Vorteil zurück. In der Partie kam es aber anders und Weiß schließlich selbst zu e3-e4 mit Ausgleich und späterem Remis.

Während wir an den ersten 3 Brettern elomässig die Nase vorn hatten, egalisierten sich die Elozahlen an 4 und 5 und ab Brett 6 waren die Gastgeber zumindest nominell zum Teil deutlich stärker als wir. So verwundert es nicht, dass an 4 und 5 remisiert wurde. Dabei war es Aljoscha, der bis zuletzt noch um den Sieg des Teams kämpfte: Nachdem er in der Eröffnung einen Bauer für Kompensation gegeben hatte und sich präzise verteidigte, opferte der Gegner zuerst aus Frust einen und dann unter Druck einen zweiten Bauer, sodass Aljoscha schließlich sogar einen Mehrbauern hatte. Nach 1.Tg8 (Diagramm oben) war dieser allerdings nicht zu verteidigen und nach 1. …Tf3+ 2.Ke2 Tf4 wurden die Züge wiederholt, Remis.

Jonah hatte “seinen Grünfeldinder” auf dem Brett (Diagramm oben) und bald für sehr gute Kompensation die Qualität gegeben: Für die Qualität hat Schwarz das Läuferpaar und einen gefährlichen Freibauern auf b3 sowie Angriffschancen auf den schwarzen Feldern. Weiß gelang es schließlich aber noch zu vereinfachen und auch diese Partie endete dann remis.

Ich spielte gegen den frisch gebackenen polnischen GM Jakub Kosakowski, der auf dem Weg Richtung 2600 ist. Etwas überraschend kam die Najdorf-Variante aufs Brett. Obwohl ich vorbereitet war, verbrauchte ich zu viel Zeit in der Eröffnungsphase und griff dann in guter, aber komplizierter Stellung 2-mal daneben und landete dann schnell in einem am Ende doch verlorenen Endspiel.

Den entscheidenden halben Punkt zum 4-4 holte dann Giso an Brett 8, der lange sehr passiv gestanden hatte, aber mit energischem Spiel seinen Gegner schließlich zu einer Zugwiederholung nötigen konnte. Für Giso war das Wochenende mit zwei Unentschieden insgesamt ein sehr guter Einstieg!

Fazit: Ein Mannschaftspunkt genügt immerhin zum 14. Platz; der Trend stimmt jedenfalls und wird im Januar in Hamburg fortgesetzt, wenn wir nacheinander Solingen und Düsseldorf erwarten.

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