Offerspill Vorbericht
Stellt Euch vor, Ihr kommt in einer Stadt, in der Ihr noch nie wart, in eine Kneipe, und jemand ruft vom Tresen: „Gary!“. Also, stellt Euch natürlich vor, er ruft Euren Namen. Aber der Reihe nach.
Am Wochenende trifft sich St. Pauli Schach in Oslo mit Offerspill, dem Club von Magnus Carlsen. Am Freitag findet ein Blitzturnier im „Good Knight“ statt, der Schach-Kneipe in Oslo schlechthin. Auch unser Bundesligaspieler David Howell wird vorbeischauen. Für den Samstag ist ein Freundschaftsmatch gegen Offerspill angesetzt. Außerdem gibt es noch weitere spannende Programmpunkte, die von Oliver und Jon-Kristian, dem Vorsitzenden von Offerspill, liebevoll arrangiert worden sind.
Ich bin schon seit heute in Oslo, damit ich endlich auch mal bei irgendwas der Erste bin 😊.
Ich war in grauer Vorzeit schon einmal hier, um so etwas langweiliges wie Software-Kurse zu geben, habe aber von der Stadt damals nichts gesehen. Der erste Eindruck beim Rundgang heute war faszinierend. Ich entschuldige mich bei allen Oslo-Kennern, aber meine erste Assoziation war: Helsinki. Die Bauten nordisch, aber viel massiver als zum Beispiel in Kopenhagen. Es wimmelt von kleinen Läden und Cafés, Staatstragendes und Szene scheinen nahtlos ineinander überzugehen.
Besonders beeindruckt hat mich die Vielzahl an Statuen, die man in der Innenstadt findet. Dabei sind nicht nur die Großen und Mächtigen dargestellt, sondern einfache Menschen. Kinder, Arbeiter, ein Widerstandskämpfer aus dem Zweiten Weltkrieg mit Schiebermütze und Fahrrad. Man hat auf den ersten Blick den Eindruck, dass hier Wert auf die Gemeinschaft gelegt wird, auf den Alltag.
Aber das wollte ich ja eigentlich gar nicht erzählen. Ich wollte den Oslo-Fahrern, die erst später in der Woche hinzustoßen, ein paar Tipps mitgeben. Zunächst: Es ist kalt hier, nicht eisig, aber kalt. St. Pauli Hoodie und Wintermantel sind ein gute Idee. Nicht nur eins von beiden. Die Gegend um den Flughafen ist noch ordentlich verschneit. Aber auch in den Parks der Innenstadt krallen sich noch ein paar Eisreste am Boden fest.
Die schnellste Art in die Innenstadt zu kommen, war für mich der Schnellzug Flytoget. Den vom Flughafen aus in Richtung Drammen nehmen, aber an der zweiten Station Oslo Central Station bereits wieder aussteigen. Wenn Ihr am Sonntag wieder zurück wollt, kauft Euch am besten nur ein One-Way-Ticket. Der Flytoget fährt am Sonntag wegen Renovierungsarbeiten auf der Strecke nicht. Es gibt Schienenersatzverkehr. Ansonsten Bus oder Taxi.
Nach dem ersten Rundgang durch die Stadt wollte ich mir am Abend natürlich schon mal das „Good Knight“ – grandioser Name – ansehen. Ich war kaum durch die Tür, als jemand vom Tresen meinen Namen rief. Da stand nämlich die norwegische Filmcrew, die am letzten Bundesligawochenende das Porträt über St. Pauli Schach gedreht hat, das jetzt nach und nach auf Social Media veröffentlicht wird. So schnell gewinnt man neue Freunde.
Das „Good Knight“ an sich ist ein kleines Kunstwerk. In jeden Tisch ist ein Schachbrett eingearbeitet. Figuren gibt’s an der Theke. Bier auch. Und überall in der Kneipe sitzen Männer und Frauen jeden Alters und spielen Schach. Manche mit professionellen Schachuhren, manche mit Handy als Schachuhr, manche völlig zeitlos. Aber alle mit viel Freude und irgendwie tiefenentspannt.
Ich freue mich schon darauf, wenn Ihr nachkommt, und wenn’s am Freitag richtig losgeht. Habt eine gute Anreise!

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