Oberliga 7. Runde: St. Pauli II gegen Schwerin 4,5-3,5 / Tabellenführung und Bericht vom Schach-Opa Rüdiger

Erfolgreiches Schachwochenende am 18./19.3.


St. Pauli 1 sichert Klassenerhalt in der 2.Bundesliga Nord
St. Pauli 2 übernimmt Tabellenführung in der Oberliga Nord


Ausschlaggebend für den Klassenerhalt war der knappe 4,5 zu 3,5 Erfolg gegen SV Werder Bremen 2 am Samstag. Viele von uns fieberten am Samstag anhand der aktualisierten Zwischenstände im Internet von zu Hause aus mit. Beim Zwischenstand von 3,5 zu 2,5 für Bremen rutschte mein Herz ehrlich gesagt in
tiefere Körperregionen, ein wenig Hoffnung machten die restlichen Partien von Bartosz und von Aljoscha ,sie hatten ja beide Weiß. Erst glich Aljoscha zum 3,5 zu 3,5 aus ,dann gewann auch noch Bartosz !! Nach dem 4 : 4 am Sonntag gegen HSK Lister Turm war der Klassenerhalt endgültig in trockenen Tüchern.
Aufsteiger in die 1.Bundesliga ist der SV Glückauf Rüdersdorf !! Neben SK König Tegel und SK Norderstedt müßte eigentlich SV Werder Bremen 2 als Drittletzter absteigen, das hängt aber noch davon ab, wer aus der 1.Bundesliga runter muß.

FC St.Pauli 2 gegen SF Schwerin 4,5 zu 3,5

Nach dem gleichzeitigen remis vom
Lübecker SV gegen die Schachfreunde Hamburg, dort läuft Dusan Nedic wohl
wieder zu alter Form auf, schon sein 3. Sieg hintereinander an Brett 1., sind wir z.Z.
alleiniger Tabellenführer ! Bei noch 2 ausstehenden Spieltagen
steht nur Bad Schwartau als Absteiger fest, sonst kann es von Platz 4 an abwärts
noch alle erwischen.

Es folgt eine kurze Beschreibung der Oberligapartien:

Brett 1: Hendrik Reichmann – Aleksandar Trisic 1 : 0

Hendrik ging die Partie sehr aggressiv an 1.d4 – Sf6 2.Sc3 – d5 3.Lf4 – e6 4.Sb5 – Sa6  heißt glaube ich nach dem 3.weißen Zug Jobava -System). Nach 21 Zügen geriet Aleks in eine unangenehme Fesslung, weißer Läufer auf f4, schwarzer Springer auf d6,Dame c7. Nach dem fehlerhaften 22.-b5 konnte Weiß mit 23. e4 vorteilhaft die Stellung öffnen. Hendrik gewann “Qualle” und Bauern. Aleks versuchte noch , ideenreich im Trüben zu fischen, mußte aber nach 64 Zügen aufgeben.

Brett 2: Giso Jahncke – Christoph Wolf 1 : 0

Wie nennt man die Eröffnung 1.d4 – d5 2.Sf3 – c5 3.g3 – cxd4 4. Lg2 – Sf6 5.0-0 – e6 6.Sxd4, vielleicht Grünfeldindisch im Anzug ? Giso verpaßte Schwarz mit 10.Sxc6 – bxc6 einen Isolani, er gewann im 17.-Zug das Läuferpaar. Der weiße Vorteil vergrößerte sich ,als Schwarz im 17.Zug dem Damentausch auswich. Erst fiel der schwache c-Bauer ,nach einem weiteren Bauerngewinn gewann Giso später im Doppelturmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern und 2 Mehrbauern nach 45 Zügen die Partie.

Brett 3: Steffen Rittermann – Patrick Stenner remis

Im Abtausch Caro Kann setzte Patrick nach 1.e4 – c6 2.d4 – d5 3.exd5 – cxd5 4.Ld3 – Sc6 5.c3 – Sf6 6.Lf4 – Lg4 7. Db3 mit 7.-e5 das Brett in Flammen. So ein Zug setzt natürlich viel Arbeit in der heimischen Analyse (Gift-) Küche voraus. Steffen umschiffte einige Tretminen, nach 18 Zügen war die Stellung in etwa ausgeglichen. 19.Dg5 war aber ein Fehler (19.Lf1 war der Normalzug), mit 20-Se6 hätte Patti leichten Vorteil erzielen können ,er träumte wohl davon, die weiße Dame zu fangen. Pattis 22.-Sd3 war aber ein Patzer. Nach 23.Lxd3 – Lxd3 übersahen beide den möglichen Bauerngewinn 24.Lxg7 – Kxg7 25. Dd4 +. Die Partie endete dann ohne weitere größeren Aufregungen nach 41 Zügen remis.

Brett 4: Rüdiger Breyther – Arvid Grahl remis

Im klassischen Pirc entstand nach 17 Zügen eine strategisch sehr interessante Stellung. Weiß verfügte über Raumvorteil, Schwarz strebte in der halboffenen e- Linie Druckspiel gegen den e4 – Bauern an. Jetzt wäre Prophylaxe angesagt gewesen, 18.a4 mit der Idee, a5 zu spielen ,um einen schwarzen Aufbau Sc5 und Bauer a5 zu verhindern. Die Verwicklungen nach 18.-a5 19.e5 hätten zu weißem Vorteil geführt. Wie ich auf den Schnapszug 18.Sd5 verfiel, weiß ich immer noch nicht. Arvid erreichte nach dem Damentausch ein Traumaufstellung mit Te8,Te7,Sc5 ,Ba5 und Druck gegen e4. Die Engine sieht zwar nur leichten schwarzen Vorteil, aber die weiße Stellung war völlig perspektivlos. Ich hatte mich schon auf eine lange Leidenszeit eingestellt, deshalb hat mich das Remis-Angebot im 27.Zug völlig überrascht, ich nahm natürlich an.

Brett 5: Winfried Heinsohn – Christian Hess 1 : 0

Im Abtauschfranzosen mit c4 patzte Christian 9.-Se4, 9.-Lxc3 ergab vollen Ausgleich. Jetzt hätte der überraschende Rückzug 10.Sb1 zu großem weißen Vorteil geführt. Weiß droht mit a3 und b4 den Läufer b4 zu gewinnen und Schwarz muß eine Figur für 2 Bauern geben. 10.Db3 war schwächer, jetzt wäre 10. Lxc3 11.bxc3 – b6 völlig ok für Schwarz. In der Folge ließ Christian mehrere Gelegenheiten aus, in  Ausgleichnähe zu kommen z.B. konnte er die Dame auf b3 mit a5-a4 befragen. Im 15.Zug ließ Weiß den Einschlag 15.Txc6 mit großem Vorteil noch aus. Nach 15.h3 -Lh5 ? (a4!) 16.Txc6! war es eigentlich schon

aus, Christian gab nach 22 Zügen auf.

Brett 6: Jan Priebe – Bernd Wandel 1 : 0

Jan wählte gegen Caro Kann das 2-Springerspiel, sicherte sich zwar im 9. Zug das Läuferpaar, aber Bernd baute sich sehr solide auf und verpaßte in der Folge mehrere Gelegenheiten, voll auszugleichen, z.B. 12.-Sxe4 13.dxe4 – Lf4 . Weiß rochierte lang ,er warf mit f4 den aktiven Le5 nach c7 zurück und nach den weiteren Bauernzügen g4 und c4 hatte Weiß bis auf das Feld c5 alle Felder auf  der 5.Reihe unter Kontrolle. Schwarz rochierte im 20. Zug kurz, war dann aber machtlos gegen den Durchbruch h4,h5. Jan verdoppelte die Türme in der dann offenen g-Linie und gewann sehr schön im Königsangriff, alle weißen Figuren spielten zusammen!

Brett 7: Karsten Schulz gegen Alvaro Perez de Miguel remis

Nach 1.Sf3 – d5 2.g3 – Sc6 3.Lg2 -e5 wurde es ein klassischer Pirc mit vertauschten Farben. Im 11.Zug hätte Karsten interessant mit 11.b4 verschärfen können. So hatte Alvaro keine Probleme auszugleichen. Schwarz konnte den weißfeldrigen Fianchetto-Läufer tauschen und die weißen Schwerfiguren, die in der c-Linie verdoppelt waren konnten nach 19.- c6 überhaupt keinen Druck ausüben. Der vermeintliche Bauerngewinn 20.Dc4 -Td5 21.Lxd4 wurde mit 21.-b5 22.Dc3-Sxe4 23.dxe4 – Dxe4+ hübsch ausgekontert. Schwarz übte nach Tfd8 durch die Fesselung des Ld4 starken Druck aus Nach 25.e3 hätte 25.-c5 den schwarzen Vorteil festgehalten. 25.-h5 hatte Weiß ermöglicht, mit 26.Te1 den Ld4 zu entfesseln bei nur leichtem Nachteil. Nach 26.Dd3 blieb der schwarze Druck. In Zeitnot ließ Alvaro leider die starke Taktik Lxa3 aus und Karsten konnte sich ins Remis retten. Nach so langer Schachpause aber eine überzeugende Schwarzpartie von Alvaro gegen einen wirklich starken Gegner!!

Brett 8: Maik Richter – Sven Helms 1 : 0

Im Skandinavier mit 3.Sf3 kam Maik gut aus der Eröffnung. Nach 12 Zügen hatte er das Läuferpaar und Raumvorteil. Der Versuch von Schwarz, mit b6 und c5 Gegenspiel zu bekommen schlug fehl. Nach 18.dxc5 – bxc5 19.b5 dominierte Weiß am Damenflügel und das weiße Läuferpaar war ein Traum gegenüber dem schwarzen Springerpaar. Im 22.Zug wollte sich Sven mit dem Bauernopfer e4 entlasten, das vergrößerte aber nur noch den weißen Vorteil. Maik wickelte mit dem Mehrbauern in ein gewonnenes Damenendspiel ab, das er sicher gewann.