Deutschen Meisterschaften im Schnellschach (Guido Schleicher berichtet aus der Arena)

Die Meisterschaften fanden dieses Jahr in Göttingen in einem neuen Format statt, soll heißen, die „Profis“ waren nicht nur unter sich. Zusätzlich wurde das Format der deutschen Meisterschaft für Amateure eingeführt/übernommen. Damit erhöhte sich die Anzahl der Spieler deutlich auf ca. 300:

Über 230 Amateure in 7 Gruppen nach Spielstärke eingeteilt, 40 „Profis“ oder Qualifizierte oder vergebene Freiplätze und natürlich die 21 qualifizierten Frauen, die ihre eigene Meisterschaft austrugen.

Als Hamburger Meister war Aljoscha Feuerstack direkt qualifiziert für die „Profis“, aber auch Martin Voigt bekam noch einen Freiplatz, wie auch die anderen beiden Hamburger Tom-Frederic Woelk (HSK) und Christoph Serrer (FBK). Somit waren die ersten 3 der Hamburger Meisterschaften am Start, bei der es ja ziemlich eng zwischen Aljoscha und Tom-Frederic zuging. In der letzten Runde hatte Martin Tom-Frederic um den Titel gebracht, und wurde selber noch 3.

In der 2. Bundesliga hatte Martin in der letzten Runde schon dafür gesorgt, dass Tom-Frederic die IM-Norm verpasste, so kann man zum Angstgegner werden., aber Tom-Frederic ist noch jung, der schafft das schon noch. 😊

Bei den Amateuren musste mein geplanter Reisebegleitschutz Manni Woynowski leider kurzfristig wegen Krankheit absagen, am Start waren also Sabine Schoknecht in Gruppe E (DWZ 1400 – 1600), sowie Bernd Wronn und ich in Gruppe A (DWZ 2100 – 2300). Bewertungsgrundlage waren die DWZ- oder FIDE-Rapid-Wertungszahl, nicht die ELO. Das führte dazu, dass wir den einen oder anderen Titelträger mit deutlich über 2300 ELO in der Gruppe hatten.

Das Frauenturnier war schwach besetzt, hier setzte sich die Favoritin Lara Schulze (DWZ 2297) durch. Zweite wurde Marharyt Khrapko (2200) vor Brigitte von Herman (1876).

Bei den „Profis“ war keine Frau am Start und es setzten sich -trotz kleiner Stolperer- die Favoriten durch. Der aktuelle Europameister und deutsche Blitzschachmeister Matthias Blübaum fügte seiner Erfolgsserie einen weiteren Titel hinzu. In der letzten Runde reichte ihm ein Remis gegen Aljoscha zum Titelgewinn, dessen Grundlage aber wohl der Sieg gegen Rasmus Svane in der 6. Runde war.

Rasmus wurde 2., vor Daniel Fridman, der in der 2. Runde gegen Martin stolperte und da schon den 2. halben Punkt abgab. Alle Spieler mit ELO > 2600 vorne, also für mich klare Favoritensiege.

Die Remisen gegen Friedman und Blübaum sind aus meiner Sicht natürlich Highlights von Aljoscha und Martin und Aljoscha beendete das Turnier nach einem holprigen Start am ersten Tag (2,5/5) mit guten Leistungen am 2.Tag (3,5/4) mit insgesamt 6/9 auf Rang 7. Der schlechte Start führte leider zu einer schlechten Feinwertung, denn er war Punktgleich mit Rang 4.

In der 3. Runde hatte ich schnell verloren und nutzte die Gelegenheit für ein paar Schnappschüsse.

Wir sehen Aljoscha gegen Tom-Frederic Woelk, also Hamburger Meister gegen Vize-Meister, in dem Aljoscha sein gewinnträchtiges Endspiel König/Turm/Bauer gegen König/Läufer/Bauer leider nicht gewinnen konnte. Die beiden Bauern waren allerdings schon weit vorgerückt, insofern ist das mit knapper Bedenkzeit für beide Seiten schwer zu spielen. Aljoscha suchte nach einem Matt und musste gleichzeitig den gegnerischen Bauer im Auge behalten

Martin hatte -wie schon erwähnt- sein erstes Highlight in der 2. Runde gegen Fridman, ansonsten wurde es ein erster Tag mit 1/5. Martin ärgerte sich, gegen einen 1800er verloren zu haben, verschwieg aber, dass das nur die Rapid-Zahl ist. Der Joa Max aus Lübeck hat ELO und DWZ um die 2200 mit aufsteigender Tendenz, also kein Grund zum Grämen.

Am 2. Tag holte dann Martin den Hammer heraus, und lies wie Aljoscha 3,5/4 folgen und landete mit 50% auf einem respektablen 24. Platz. Das ist nur 5 Plätze hinter der Setzliste, auch wenn einige Rapid-Punkte verloren gingen.

Auch hier ein Bild aus der 3. Runde gegen Torben Knüdel aus Uelzen, leider seine erste Niederlage.

Soweit der Bericht über unsere „Heroes“ bei den „wahren“ Meisterschaften, jetzt folgt die Abteilung Amateurschach., Ladies First.

Sabine war immer schnell fertig und dann weg (ich spielte meistens zu lange) ☹. Am ersten Tag gestartet mit 2/5 folgten am 2. Tag 1,5/4, also insgesamt 3,5 aus 9. Damit war sie gar nicht zufrieden.

Die verloren 9-Rapid-Pünktchen sind aber nicht so schlimm, das fällt m.E. noch in den Rahmen der Erwartungen.

Das Foto konnte Bernd schießen, der war in der 8. Runde mit Sieg gegen Schunk schneller fertig als ich.

Bleibt noch Gruppe A mit Bernd und mir.

Wir armen Kampfschweine spielten wie immer nicht auf Remis, obwohl bei mir 5 Stück zustande kamen. Bernd erwischte einen total rabenschwarzen ersten Tag, weil zu den 0,5/4 auch noch ein kampfloser Punkt abgezogen war. Bernd war davon ausgegangen, dass er als Letzter wegen der ungeraden Teilnehmerzahl ein Freilos hat, aber dummerweise zog ein Teilnehmer plötzlich zurück und Bernd hätte einen Gegner gehabt. Danach war erst einmal Frustessen großer Portionen bei einem heimischen Griechen angesagt.

Die Krönung am zweiten Tag war dann, dass wir erfolglosen Zwei uns am letzten Tisch duellieren mussten. Jürgen Kohlstädt besuchte uns mit einer bedauernswerten Miene und wollte uns Mut zusprechen. So weit ist es schon gekommen, zumindest würden 2 Kampfschweine kein Remis absprechen, wenn es denn den Jürgen beruhigt. Nach einigem hin und her mit Irrungen und Wirrungen ging es dann doch Remis aus.

Aus meiner Sicht war es viel „Wild-Chess“, also kaum Theorie, sondern entsprechend Schnellschach dunkle Seitenpfade. Ich habe alle Partien bis Zug 15/20 mitgeschrieben und war daher zeitlich immer im Nachteil. Für die nachträglichen Analysen ist das aber hilfreich. Ich weiß, das könnte man bei Lichess besser machen, da protokolliert das Programm. Ich spiele allerdings lieber am normalen Brett und erhoffe mir von den Notizen weitere Rückschlüsse.

Fazit für uns beide, das können wir besser als 2,5/8 bei Bernd bzw. 3,5/9 bei mir. Aber ich konnte schon eine Verbesserung im Vergleich zur Schnellschachmeisterschaft der Senioren verspüren. Immerhin lagen hier die Gegner alle über 2100 und in einigen Partien war deutlich mehr drin.

Es folgen die fehlenden Fotos, eines von Bernd aufgenommen, das andere von mir, nach der Ausführung meines einzigen Gewinnzuges.

Alle Fans können die Partie von Guido nachspielen und seine Kommentare verfolgen (lohnt sich):

https://share.chessbase.com/SharedGames/share/?p=IXHWhIL9xgiks2LKdxl+WDpMF9laIOiGimXAMj96Ch6rocdGrbD7nz7uh91EH4XQ

Wie konnte Guido (Schwarz) den Fehler von Weiß (Kg2) eiskalt ausnutzen?

Mein Fazit zur Veranstaltung: Es ging etwas holprig los, die erste Runde musste noch einmal ausgelost werden, wobei da nur ein Tausch der Farben herauskam. Das muss ich nicht verstehen.

Die Schiedsrichter waren begeistert, weil keine Protestfälle vorkamen. Ein Bekannter von mir vom Seniorenturnier, Andreas Heirich aus Wilhelmshaven, machte seine ersten Internationalen Schiedrichterschein, und ich dachte erst, er spielt mit…

Noch zwei Fotos von der Schiedsrichterbank und den Preisen.

Mit lieben Grüßen

Guido