Schachgipfel Magdeburg 2022: Ein Bericht

Sichtweise des Teilnehmers Guido Schleicher an der deutschen Senioreneinzelmeisterschaft 50+:

Kleiner Scherz vorweg: Mit jetzt fast 58 Jahren betrachte ich diese und die kommenden Meisterschaften als Vorbereitungsturniere für die 65+ – Turniere.

Im Ernst, dass Turnier war aus meiner Sicht eine sehr gelungene Veranstaltung. Für die Seniorenturniere standen den über 300 Teilnehmern in einem Raum reichlich Platz mit Klimaanlage zur Verfügung, man hätte auch mit 400 oder mehr spielen können. Es gab keine Doppelrunden, das wäre mir zu anstrengend gewesen. Allerdings konnte ich es nicht lassen, an 2 Tagen sehr erfolglos die Seniorenschnellschachmeisterschaft mitzuspielen, entsprechend Fix und Foxy war ich danach auch.

Parallel zu unserem Turnier starteten im Laufe der Woche weitere Meisterschaften, zuerst die normalen deutschen Meisterschaften der Herren (Teilnehmer von St. Pauli Aljoscha Feuerstack) und Damen.

Dann gesellte sich die deutsche Schachelite um Vincent Keymer dazu, um das German Masters auszutragen. So schön diese Zusammenstellung der Top-Spieler auch ist, es entwertet leider ein wenig die eigentliche deutsche Meisterschaft. Aber bei uns spielt der Clubmeister auch nicht der 1. Mannschaft, also erfreute ich mich an den spannenden Partien und genoss ab und zu mal die Live-Kommentare von GM Klaus Bischoff (übrigens netter Typ, der trotz meines plumpen Ansprechens „du bist doch der Klaus Bischoff, ich erkenne dich von Bildern“ auch Lust hatte mit mir zu plaudern).

Apropos plaudern, viele nette gesprächige/gesellige Spieler, alte Bekannte (Holger Fabig, Ralf Schöngart, Manfred Kröncke, Andreas Bergsträßer) und Funktionäre, mit denen ich ins Gespräch kam. Meinem Eindruck nach sind die älteren Spieler doch deutlich entspannter, was nicht heißen soll, dass sie nicht auch ernsthaft auf dem Brett die Keule schwingen.  Viel mehr würde ich sagen, dass die Partien lockerer genommen wurden. Auch Hauke Reddmann war zwar da, aber ich finde er ist schon seit ich ihn kenne (ca. 1980) der Großmeister der sinnlosen und unsinnigen Sätze (unser Bernd „Wittgensein“ wird verstehen, was ich meine). Unseren DSB-Präsidenten Ulrich Krause kannte ich ja schon aus einem persönlichen Duell in der 2. BL, der war aber wirklich nur privat zum spielen da. Ergo keine Gespräche über Schach-Politik, aber reichlich Smalltalk und mein Lob über die Veranstaltung wird er sicherlich weiter ausrichten.

Gegen Ende unseres Turniers gesellten sich auch noch die Spieler dazu, die den deutschen Meister im Amateurschach (Elo < 2300 und weiter abgestuften Spielstärkegruppen) ermitteln wollten. In Hamburg ist das Qualifikationsturnier vielleicht eher als Ramada-Cup bekannt, benannt nach dem Hotel, in dem gespielt wird. Teilnehmer von St. Pauli in der höchsten Klasse war Bernd Wronn.

Alle Teilnehmer spielten zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Konferenzräumen im Hotel Maritim, das zeigt, welche räumlichen Möglichkeiten angeboten wurden.

In meinem Seniorenturnier durfte ich endlich mal unser Mitglied (oh Gott, wie gendert man das Wort Mitglied? Das Mitglied) Sabine Schoknecht kennenlernen, wir sehen uns im September bei der deutschen Schnellschachmeisterschaft für Amateure wieder, oder bei unserer Jahreshauptversammlung.

Schachlich lief bei uns Paulianern anfangs nicht viel zusammen. Aljoscha und ich starteten mit 1,5 aus 4, wir waren viel höher gesetzt. Bernd startete gar mit 0 aus 2, und dann anschließend nur ein kampfloser Punkt. Sabine war auch extrem unzufrieden mit ihren Leistungen, aber am nächsten Tag immer wieder voller Zuversicht am Start.

Bernd, Aljoscha und ich konnten aber den Schaum vom Mund abwischen und dann auch endlich gut punkten.

Aljoscha konnte den ELO-Schaden mit 5 aus 9 noch gut begrenzen, bei mir halfen die 4,5 aus 5 im Schlussspurt auf 6 aus 9 nicht so sehr, minus 29 ELO-Punkte.

In der Nachbetrachtung meiner Partien lag es selten daran, dass ich meine Aufschläge geändert habe. Es offenbarten sich eher Schwächen die für mich neuen Stellungstypen richtig zu spielen oder korrekt einzuschätzen und manchmal schwirrten mir noch zu viele neu geübte Eröffnungsvarianten durch den Kopf und behinderten beim Berechnen von Varianten. Und ganz entscheidend, es fehlte Kaffee 😊

Da im Maritim kein Kaffee oder erst ab 12:00 Uhr angeboten wurde, begann ich in der 5. Runde damit, Kaffee vom Bäcker mitzubringen. Mit durchschlagendem Erfolg, die Kaffeetante Guido braucht sein Doping.

Zum Schluss noch eine nette verpasste Chance aus meiner Grünfeldindisch-Partie in der 3. Runde als Kandidat für den Zug des Tages oder vielleicht auch des Turniers.

Schwarz spielte 47. …Tb1 und nach 48. Th3 wurde es nur unentschieden, weil ich nun zur Zugwiederholung gezwungen war.

Sehenswert gewonnen hätte 47. … Dc2+ (wie war das noch mit den Kandidatenzügen? Erst Schachgebot prüfen … und dieses Motiv ist uns aus Rüdigers und Dirks Online-Training bekannt, umso ärgerlicher). Nach 48. Dd2 folgt der taktische Schlag 48. … Tb2 und 0-1 wegen Damen- oder Figurenverlust. 49. Ke2 verliert die Dame wegen 49. … Dxe4 +.

Andere Partien von mir dann beim Online-Training, geboten wird Sizilianisch, Französisch, Caro-Kann und Londoner System (bereits teilweise online verfügbar gewesen).