Turnier auf Kreta – Senioren, Amateure, Anfänger und Fortgeschrittene

Mitte April empfing ich eine E-Mail mit den ersten Informationen zur „ACO World Senior Chess Championship 2021 Crete (Greece)“, die vom 1. – 10. Oktober 2021 als offenes Turnier stattfand. Spieler ab 50 Jahren sind startberechtigt.

„Welt-Senioren-Schach-Meisterschaft“ klingt interessant, aber was passiert da? Wer organisiert das? Was erwartet mich dort? Erste Nachfragen und Recherchen ergeben, die ACO (ausgeschrieben: Amateur Chess Organization) ist eine Organisation für Amateur-Schach-Spieler bis 2400 Wertungspunkte. Die ACO hat sich das Ziel gesetzt, das Amateurschach weltweit zu fördern. Die Organisation ist nicht mit der FIDE verbunden und versteht sich als „komplementäre Organisation“ zu unserem Schachverband. Zur Organisation gehören auch mehrere FIDE-Schachgroßmeister, die wissen, wie man so ein internationales Turnier organisiert.  

Anfang Oktober nach Kreta – keine schlechte Idee.  Ein schönes 5-Sterne-Hotel (Fodele Beach) direkt am Meer, Sonne, Pools, Schach und gutes Essen – warum eigentlich nicht?  Die Entscheidung fällt im Mai und so kann ich mich den ganzen Sommer auf den Herbst freuen.

Als ich am Vormittag des 1. Oktober im Hotel ankomme, habe ich viel Zeit das Hotel und die Umgebung zu erkunden. Sonne und Wind, das Wetter ist so wie an schönen Sommertagen in Hamburg, dazu eine ordentliche Brandung, mir gefällt das. Um die 9 Runden des Turniers haben die Veranstalter ein interessantes und abwechslungsreiches Programm organisiert. Beim Blitzturnier, beim Simultan oder beim Großmeistervortrag findet vermutlich jeder Schachspieler seine Highlights.

Das Turnier ist sehr seniorenfreundlich angelegt: So kann man beispielsweise an manchen Runden einfach mal aussetzen und trotzdem am nächsten Tag wieder erholt einsteigen.

Es gibt einen spielfreien Tag, an dem man einen gut organisierten Ausflug mitmachen darf oder einfach am Strand Erholung suchen kann.

Jederzeit in verschiedenen Sprachen ansprechbar sind die Großmeister GM Daniel King (England), GM Zigurds Lanka (Lettland) oder GM Spyridon Skembris (Griechenland), die mit einem die eigenen gespielten Partien analysieren und einem Tipps geben – wenn man denn wollte. GM V. Hort war als Ehrengast diesmal auch dabei. Es waren Großmeister zum Anfassen. Eine tolle Sache!

Hier eine Studie, mit der uns GM Skembris den einen Abend an der Bar exklusiv gequält hatte:

Wie kann Schwarz Fortschritte machen?

Am 2. Oktober  beginnt das Turnier für mich mit einem Freilos. So kann ich mir die Spielorte für die sieben Gruppen in Ruhe ansehen, hier und da mal über die Schulter sehen und Kontakte knüpfen. An den Informationstafeln treffe ich drei angenehme Ungarn, die für Deutschland, Rumänien und die Schweiz spielen. Mit mir sprechen sie deutsch. Ein bisschen Englisch braucht man aber auch immer wieder, um zum Beispiel mit den Griechen und den Skandinaviern ins Gespräch zu kommen. 

Das Turnier beginnt für mich vielversprechend, doch in der 4. und 5. Runde muss ich die ersten 1,5 Punkte abgeben. In der 6. Runde erwartet mich der coole Andy aus England.

Doch da tauchen im richtigen Moment Michi und Olli auf, die ihren „Vereinsbruder“ nicht hängen lassen.

Nach einem erfrischenden Bad im Mittelmeer werde ich für den Rest des Turniers fitgemacht. Es geht um Zeitmanagement und die „Englische Partie“ im Speziellen und im Allgemeinen. In der 6. Runde kann ich dem starken Engländer mit meiner „Englischen Eröffnung“ die Stirn bieten. Irgendwann sind wir die letzten im Spielsaal und wir kämpfen um jedes Feld und um jeden Millimeter des Schachbretts. Von jetzt an werden alle Spiele analysiert, jeder Zug hinterfragt. Michi und Olli lassen nicht locker.

Am Ende erringe ich den dritten Platz in meiner Gruppe. Es hat viel Spaß gemacht. Ich werde das ganz sicher irgendwann wiederholen. Eine tolle Reise, viele Eindrücke, viele interessante Gespräche am Buffet oder am Brett für Anfänger und für Fortgeschrittene.

Felix Koester im Oktober 2021