Unsere Schachabteilung in der Zeit der Zusammenführung der beiden deutschen Staaten 1989 bis 1991

In dieser Zeit hatte unsere Abteilung etwa 50 Mitglieder. Wir nahmen 1989 mit vier Mannschaften an den Hamburger Mannschaftskämpfen teil. Von den heute noch aktiven Mitgliedern spielten Manfred Woynowski und Heinz Lorsbach mit der 2. Mannschaft in der Stadtliga. Albert Walke, Helmut Paulsen, Klaus Buchholz und Horst Kruse gehörten zur    3. Mannschaft in der Kreisliga. Die 1. Mannschaft spielte in der Landesliga.

In den Monaten nach der Wende versuchten in fast allen Sportarten Mannschaften aus dem Osten und dem Westen Kontakte zueinander herzustellen. Wie schwierig dieses Vorhaben war, kann sich jeder denken; denn der „Eiserne Vorhang“ zwischen beiden deutschen Staaten war bekanntlich jahrzehntelang fast unüberwindlich!

Auf einem Weg, den ich nicht mehr genau rekonstruieren kann, kamen wir zu einer Adresse eines Mitglieds des Schachklub Marnitz. Dieser kleine Ort liegt in der Nähe  von Parchim in Mecklenburg-Vorpommern auf halber Strecke nach Berlin.

Nach einigen Telefonaten wurde dann tatsächlich ein Treffen zunächst bei uns vereinbart, das im Herbst 1990 stattfand. Etwa 15 Schachspieler aus Marnitz hatten sich mit dem Zug auf den Weg nach Hamburg gemacht. In unserem alten Clubhaus wurde Schach gespielt (wir gewannen knapp), Mittag gegessen – und vor allem über viele Dinge in kleinen Gesprächsgruppen geredet und Erfahrungen ausgetauscht. Nach einem Spaziergang über „unser St. Pauli“ mussten sich unsere Gäste auf den Rückweg machen, um ihren Zug zu erreichen.

Im Frühjahr 1991 machten sich 21 Hamburger (darunter 6 Ehefrauen) in 6 Autos auf dem Weg nach Marnitz. Die Fahrt jenseits der Grenze war damals noch eindrucksvoller als heute. Von noch aktiven Mitgliedern aus unserer Abteilung nahmen an der Reise teil: Albert Walke, Horst Kruse, Klaus Buchholz und Helmut Paulsen. In einem Clublokal wurden wir zum Mittagessen erwartet; unsere Gastgeber hatten sich viel Mühe gegeben.Einen Schachwettkampf an 15 Brettern gewannen wir wieder knapp.Danach wurde uns auf einer Fahrt mit mehreren Pferdekutschen die hübsche Landschaft der Umgebung gezeigt (Ruhner Berge – zweithöchste Erhebung Mecklenburgs). Für mich unvergesslich war die „Besichtigung“ einer mitten im Wald gelegenen ehemaligen Raketenstellung, die mittlerweile der Bundeswehr gehörte. Die bei unserem Besuch nicht mehr vorhandenen russischen Raketen waren direkt auf Hamburg gerichtet…

Der Kontakt nach Marnitz riss danach aus verständlichen Gründen bald ab; denn die damalige Umstellung des Lebens aus  der Ex-DDR auf die Zeit der Nachwende war für die Mecklenburger mit immensen Schwierigkeiten verbunden. Einen Schachklub Marnitz gibt es heute nicht mehr.

(Helmut Paulsen)

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