So geht das. Nur Schach ist geiler!

Die Vierte schleppt in der Stadtliga noch immer das Erstrundentrauma mit sich herum. Die ärgerliche Auftaktniederlage in Blankenese sperrt uns trotz des nachfolgenden Siegs gegen den Deutschen Meister von 1970 noch von den Futtertrögen der Stadtliga ab. Und dann mussten wir in der 3. Runde beim Aufstiegsfavoriten Hamburger SK antreten.

Dessen Team besteht aus ambitionierten Jugendlichen, die allesamt für höhere Schachaufgaben bestimmt sind. Die Kids haben zusammen bestimmt ihre 20 Deutsche-Jugendmeisterschaften gewonnen. Tendenziell eher mehr.

Und wir mussten reichlich Ersatz beschaffen, zwei starke Stammspieler waren wegen ihrer Einsätze in der Landesliga nicht spielberechtigt, und parallel kickten unsere Fußballer um die Berechtigung zur Teilnahme in der 3. Liga in der kommenden Saison.

Alles in allem nicht die besten Voraussetzungen für einen Überraschungserfolg.

Aber Schach ist eben Schach. Zu Beginn haben beide Spieler dieselbe Anzahl von Figuren. Und alles ist möglich. So auch der Außenseitererfolg des Berichterstatters, der schon nach 2,5 Stunden zum 1:0 einnetzen konnte. Und dann kurze Zeit später das 2:0 durch Frank gegen den Großmeisterbruder Robert Engel, das war die mit Abstand feinste Schachpartie des Abends! Das war ja schon mal ein guter und überraschender Anfang!

Der Rest war schwierig einzuschätzen: Gregor und Oliver v.W. standen jeweils mit Schwarz unter hohem Druck. Guntram, der an Brett 8 gegen die Oberligagranate Helge Hedden antreten musste, stand mit einem Minusbauern da. Bastiaan hatte eine ausgeglichene Stellung, aber wenig Zeit. Bei Uwe und Manfred war noch alles offen.

In der 4. Spielstunde mussten Gregor und Oliver die Segel streichen. Uwe machte Remis. Zwischenzeitlich hatte sich Manfred einen Materialvorteil erkämpft, den er aber im Turmendspiel auch erstmal umsetzen musste. Guntram hat nie aufgesteckt und ging ins Läuferendspiel mit 2:3 Bauern am Königsflügel. Also definitiv Potenzial für einen halben Punkt. Bastiaans Stellung wurde immer wilder, er hatte jetzt Materialnachteil und immer noch wenig Zeit.

5. Stunde: Manfred hat gewonnen! Wie geil!!! Und Guntrams Stellung war nicht mehr zu verlieren, der König blockierte auf der richtigen Feldfarbe das Umwandlungsfeld. Alles hing an Bastiaan, der mit seinem isolierten Freibauern auf dem Königsflügen gegen zwei verbundene Freibauern am anderen Flügel ankämpfen musste. Und genau das eindrucksvoll tat. Nach 4:55 Stunden Spielzeit bot der Gegner ihm ein Remis an, das er – obwohl er die zwischenzeitlich sogar aussichtsreiche Stellung gerne weitergespielt hätte – auf Geheiß des Kaleus angenommen hat.

4,5 Punkte! Wie krass. Sensationeller Auswärtssieg in der Christian-Zickelbein-Arena! Und mit eben diesem, mit Evi, mit Merijn und vielen anderen Freunden vom HSK, feierten wir den tollen Stadtliga-Abend bis tief in die Nacht hinein.