Landesliga 3. Runde: Die Zweite – Hoher Sieg gegen Fischbek

Am 3. Spieltag hatte unsere Zweite die Schachfreunde aus Fischbek, dem äußersten Südwesten Hamburgs, zu Gast. Fischbek war nicht zu unterschätzen, hatten sie doch bereits Marmstorf geschlagen und waren in Bestbesetzung angetreten. Wir waren von der Papierform her dennoch deutlicher Favorit, wenn auch scheinbar etwas ersatzgeschwächt. Das sollte sich später glücklicherweise jedoch als Irrtum erweisen.

Brett 1: Serrer (DWZ 2230) – Aleks 0-1

Das Debüt von Aleks in dieser Saison. Und es war gleich eine sehr überzeugende Leistung. In der Eröffnung schien zunächst Weiß etwas Vorteil zu haben – wie immer strebte Aleks aber von vornherein alles an, nur keine symmetrischen Stellungsbilder. Dafür umsomehr Dynamik – und bald schon erwies er sich im strategischen Schlagabtausch als der bessere Mann, insbesondere das Manöver, den Läufer über g7 nach b2, a3 und b4 zu überführen, hinterließ einen sehr starken Eindruck. Bald gewann Aleks die Qualität, und die weiße Stellung brach zusammen.

Brett 2: Giso – de Vogt (DWZ 2197): 1-0

Diese Partie wies die mit Abstand schönsten Stellungsbilder auf. Giso spielte zunächst im Holländer Staunton (2.e4), hatte da auch was vorbereitet, Schwarz wich aber mit dem etwas zahmen, aber soliden e6 ab. Giso kannte die Hauptvariante, beschloss aber am Brett plötzlich einen Bauern zu opfern und die meisten Brücken hinter sich abzubrechen. Eine sehr mutige Entscheidung, da nicht vorbereitet und für beide Spieler Neuland. Wie wir in der anschließenden Analyse im bewährten O-Feuer feststellten, war die Stellung für Schwarz alles andere als leicht zu behandeln, wenn auch objektiv zunächst vorteilhaft. Schnell verlor Schwarz dann auch die Übersicht, verlor nicht nur das Rochaderecht, sondern begab sich in eine völlig passive Stellung. Mit dem wunderschönen Sf5 fand Giso den Ausheber. Nimmt Schwarz diesen vorwitzigen Springer, opfert Giso mit D:d7 die Dame und setzt Matt. Schön der Moment, wo beide Spieler am Brett sich angesichts dieser Folge angrinsen. Nach der Antwort Dh3 (stärker an dieser Stelle wäre Partieaufgabe gewesen) folgte mit dem Damenopfer D:f7 aber der nächste Nackenschlag – einen Zug später musste Schwarz aufgeben.

Eine sehr schöne Leistung von Giso, der bisher in dieser Saison eher noch nicht vom Glück verfolgt war.

Brett 3: Kneip (DWZ 2081) – Jan 1/2-1/2

Jan wollte natürlich gewinnen, kam auch mit einer äußerst angenehmen Stellung aus der Eröffnung. Die ganze Partie über war er am Drücker und versuchte noch sehr lange zu gewinnen, ab dem mittleren Mittelspiel jedoch verflüchtigte sich der Vorteil – aus meiner Sicht eher nach und nach (und nicht nach einem bestimmten Zug). Letztlich etwas schade, dass dies nur remis wurde.

Brett 4: Michael Sch. – Brandt (DWZ 2002) 1-0

Als ich zum ersten Mal auf die Stellung schaute, hatte Schwarz sichtbar schon etwas falsch gemacht. Michael nahm sich wie immer sehr viel Zeit, um alles zu berechnen, spielte dann aber richtigerweise g3-g4, was praktisch eine Figur gewann. Die Frage war nur, wie stark die schwarze Kompensation war und ob in der doch ernsthaft heraufziehenden Zeitnot (Michael lebte schn bald nur noch vom Bonus) noch etwas anbrannte.

Es ist aber immer wieder frappierend, wie Michael die Ruhe behält. Er spielte das ganz untaktisch und trocken zu Ende, tauschte noch einiges ab, Figur blieb aber Figur. So letztlich ein klarer Start-Ziel-Sieg von Michael.

Brett 5: Schneider (DWZ 1998) gegen Maik 1/2-1/2

Der Gegner von Maik spielte die Eröffnung (Sweschnikow) sehr schnell und selbstbewusst. Auch notierte er bei 2/2. Ich kenne mich hier nicht aus, zwar schien auch Maik das Ganze zu kennen, dennoch hätte ich zunächst lieber Weiß gehabt. Dann jedoch konsolidierte Maik Zug um Zug seine Stellung und kam sehr schön in Vorteil. Es tauchte eine Zugwiederholung auf, wo ich dachte, Maik würde letztlich dadurch nur Zeit gewinnen wollen. Er nahm jedoch das remis rein im Mannschaftssinne, weil damit der Kampf praktisch entschieden war. Dieser Mannschaftsgeist zeichnet Maik aus!

In der Analyse stellte sich heraus, dass der Vorteil schon recht groß (im höheren Sinne gewonnene Stellung war)…

Brett 6: Andreas M. gegen Peters (DWZ 1942) 1-0

Ich langweilte wieder einmal mit 2. Lf4 – dies hat zumindest den Vorteil, dass es so flexibel ist, dass eine Vorbereitung für beide Seiten sehr erschwert ist, so dass einfach Schach gespielt wird.

Auf mein Db3 reagierte mein Gegner mit b6 sehr schlecht und hatte bald eine Ruine. Ich spielte aber viel zu schnell und machte bald einen entsetzlichen Fehler, nachdem Schwarz seine bereits schrottreife Stellung in eine vorteilhafte hätte verwandeln können, was ich leider erst kurz nach Ausführung meines Zuges sah. So schwitzte ich sehr, seinerseits viel zu schnell spielte mein Gegner jedoch etwas anderes. So blieb es bei gewonnener Qualität, bald auch sicherer Königsstellung und Verwandlung in den Sieg. Keine überzeugende Leistung von mir.

Brett 7: Schermer (DWZ 2014) gegen Andreas K. 0-1

Ein Riesenlob für Andreas! Aus einem Königsinder entwickelte sich eine shr spannende Kampfpartie. Früh war klar, dass ein Remis-Schluss recht unwahrscheinlich war, da Weiß auf dem Damenflügel die schwarzen Schwächen (Bauer a5) ausbeuten wollte, Schwarz jedoch alle Figuren auf dem Königsflügel versammelte hatte, wo dennoch ein Durchbruch nicht einfach zu erzielen war. Bald brach Andreas notgedrungen alle Brücken ab, opferte Qualität und Bauern. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie diese Partie objektiv zu bewerten ist – mein Gefühl sagt mir, das Weiß irgendwo einmal sehr gut gestanden haben muss.

Auf jeden Fall waren die Kiebitze vom schwarzen Angriff begeistert, insbesondere als Andreas nicht mit dem Springer auf g3 (Rückgewinn der Qualität, sah nach remis aus) wiedernahm, sondern mit dem Bauern. Er hatte richtig eingeschätzt, dass der weiße König auf h1 und sein ihm beistehender Turm auf g1 einfach zu schwach standen, um sich wehren zu können.

Es kam zu einem sehr ästhetischen Ende nach Sf6 mit nicht mehr vernünftig deckbarem Matt.

Brett 8: Michael W. – Reichhardt (DWZ 1936) 1-0

Dasselbe Lob gilt Michael, der ebenfalls sehr kurzfristig eingesprungen war und von Anfang an gar keinen Zweifel daran ließ, dass er gewinnen wollte. Schnell einen Bauern gewinnend bei null schwarzer Kompensation war nur die Frage, wie die Verwertung am besten gelingen sollte, ohne dass Schwarz noch Remischancen bekam. Michael entschied sich für eine giftige Mischung aus positionellen Drohungen und Spiel gegen den bald auf h6 exponierten schwarzen König – bald auch von Erfolg gekrönt.

Fazit: Eine geschlossene Mannschaftsleistung führte zu einem 7-1, das auch in dieser Höhe völlig verdient war, ja sogar noch höher hätte ausfallen können.

Autor: Andi Mitscherling