7 glorreiche Halunken auf dem Weg nach Ebersbach

Anfang August 2014 machten sich sieben Schachspieler des FC St. Pauli auf nach Ebersbach/Sa. Ebersbach? Nie gehört, nie gesehen, warum Ebersbach? Nun, zwischen den beiden Vorsitzenden Thomas Schüttler und Christian Noack ist ein kleine schachliche und „Happy Hour“ Freundschachaft entstanden, zudem ist Ebersbach die schachliche Heimat von Maik Richter, liegt in der Oberlausitz im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen und ist damit also Deutschlands südöstlichste Ecke.

Ein wunderschönes Fleckchen Deutschland, Mittelgebirgslandschaft, Berge so 700-900m hoch, der Blick schwebt frei über Felder, Wiesen und kleine Ortschaften. Allein um diese schöne Gegend einmal kennenzulernen hat sich die schon gelohnt.

Am Freitagmorgen ging die Tour los – dabei waren Andreas Mitscherling, Patrick Stenner, Bernd Keßler, Guntram Knech, Jörg Bathke, Heinz-Werner Szudra und als Reiseleiter und Verbindungsmann zu seinem alten Schachverein natürlich Maik Richter. Leider musste unser Abteilungsleiter Thomas Schüttler im letzten Moment absagen, ein Serverproblem im Tivoli und es hieß arbeiten statt Feiern für ihn.

Gefahren sind wir mit dem Fahrzeug unserer Amateurabteilung, eine kluge Idee, so waren alle in einem Fahrzeug, die jedoch auch ihre Tücke hatte, aber dazu später mehr.

Nun ist es ja so, dass eine Gruppe Männer, ein ganzes Wochenende befreit von häuslichen Pflichten, treusorgenden Ehefrauen oder nach Aufmerksamkeit heischenden Kindern, dieses Privileg durchaus zu schätzen weiß (Anmerkung der Redaktion: Die diplomatische Variante, welche wir in den Ebersbacher Schachchroniken, wunderbar geführt seit den 60 Jahren, gefunden habe lautet: “Dann kam der Vorschlag endlich ein Schachvergnügen zu veranstalten, um unseren Frauen die Gelegenheit zu geben, bei einigen vergnüglichen Stunden, die Sonntage des Alleinseins leichter zu vergessen“). Nicht lange gefackelt, erst Mal den nächsten Supermarkt ansteuern, ein paar Kisten Bier und weitere hochgeistige Getränke bunkern, dieser Ausflug sollte ein voller Erfolg werden.

Und auf gings! Der ein oder andere Stau wurde mitgenommen, die ein oder andere Pinkelpause eingelegt, irgendwann Berlin umrundet und jetzt durch Brandenburg immer gen Süden. Ja, wenn da nicht auf einmal dieses verflixte Warndreieck mitten auf der Fahrbahn gelegen hätte und uns mal einfach so hinten einen Reifen aufgeschlitzt hätte. Zum Glück brachte unser Fahrer den Wagen auf dem Standstreifen sicher zum Stehen. So, jetzt Warndreieck aufstellen, Wagenheber raus Ersatzrad schnappen, Reifen wechseln, sieben Männer, dass sollte doch zu schaffen sein!

Nein war es aber nicht. Kein Warndreieck, kein Ersatzreifen, wir haben den ganzen Bully auseinandergenommen, nichts zu finden. Statt Warndreieck, wurde so auf österreichisches Geheiß vom Doc eine Kiste Bier hinter dem Fahrzeug platziert, mit der Begründung, es müsse etwas sein, was Aufmerksamkeit erreicht. Gesagt-getan, kurze Zeit später kam die Autobahnpolizei, die an unserer Lösung aber auch nichts auszusetzen hatte, sondern genüsslich mit uns Rauchern die ein oder andere Zigarette paffte und sich köstlich über das Warndreieck amüsierte. Oh glücklich Brandenburg, das solch freundliche Autobahnpolizisten in ihren Reihen weiß.

Mit Hilfe eines kompetenten Abschleppdienstes und einer zum Glück ganz in der Nähe befindlichen Werkstatt wurde in Nullkommanix ein neuer Reifen aufgetrieben und unser Malheuer repariert. Die freundlichen Polizisten wollten ebenfalls weiter Teil der gemütlichen Runde sein und fuhr auf Wunsch sogar Blaulicht, zur Werkstatt.

Weiter ging die wilde Hatz gen Ebersbach. So kamen wir denn abends in Ebersbach an, wo wir vom örtlichen Schachverein schon zu einer Grillfete im örtlichen Schwimmbad erwartet wurden. Ich stürzte mich mit Heißhunger auf Würstchen und Grillfleisch (hm lecker), der ein oder andere wollte seine Ernährungsgrundlage nicht mehr ändern und blieb bei flüssiger Nahrung. Der herzliche Empfang rührte dazu, dass schnell die Klötzchen rausgeholt wurde und auch die hereinbrechende Dunkelheit niemanden vom Blitzen abhielt, so lernten wir unsere freundlichen Gastgeber schnell und unkompliziert kennen. Wie lange der Abend oder die Nacht für den ein oder anderen noch ging vermag ich nicht zu berichten. Als Ältester unserer Gruppe habe ich mich natürlich auch als einer der Ersten ins Hotel bringen lassen. Anmerkung der Redaktion: es war spät).

Am nächsten Morgen machten einen Ausflug mit Besichtigung der Burg- und Klosterruine Oybin unter der Führung der Ebersbacher. 30 Grad Hitze, strahlender Sonnenschein, da kann das Burgbesteigen durchaus mal anstrengend werden. Doch auch ich schleppte mich den Berg hoch und wurde dafür oben mit dem weiten Blick über das Land mehr als entschädigt.

Mittagessen gab es in einem Lokal direkt auf der deutsch-tschechischen Grenze, der Kellner war auf jeden Fall Tscheche, das Ambiente ebenfalls, mein Sauerbraten wohl eher deutsch, dass Bier aber ganz nach tschechischer Qualität.

Danach ab ins Ebersbacher Schwimmbad, Erholung war angesagt und das Wetter war dafür auch genau richtig. Der einzige, der die Schwimmbadansage mal wieder nicht begriffen hatte, war natürlich ich, keine Badehose dabei war natürlich nicht so toll. Doch auch da halfen unsere Gastgeber sofort aus, so dass auch ich mich ins kühle Nass stürzen konnte.

Am Abend gings dann ins Vereinsheim des Ebersbacher Sportvereins, wir waren eingeladen zu einem herrlichen Buffet und herausgefordert zu einem gemeinsamen Blitztunier. Die Buffeteröffnung wurde kurzerhand noch zu einer kabarettistischen Einlage genutzt, selbst der von mir sehr geschätzte Rüdiger Hoffmann hätte die kredenzten Speisen nicht langsamer und pointierter vorstellen könne. Das Essen selbst war absolut vorzüglich, vor allem das „Teufelsfleisch“ lag in der Hamburger Beliebtheitsskala ganz weit oben.

Das Blitztunier – jeder gegen jeden – wurde dann eher von St. Pauli dominiert, es gewannen Andreas, Patrick, Maik die genaue Reihenfolge hab ich nicht mehr auf der Pfanne, jeder der drei bekam auf jede Fall ein Fässchen Bier als Preis, eine wirklich nette Geste wie ich finde.

Auch das Ende dieses Abends bekam ich nicht ganz mit, frohgelaunt, aber rechtschaffe müde ließ ich mich mit der ersten Fuhre von Maiks Vater ins Hotel kutschieren, es soll auf jeden Fall noch recht lange gegangen sein (Anmerkung der Redaktion: es war spät).

Sonntagmorgen – Frühstück im Hotel. Während ich mir schon wieder Eier mit Speck schmecken ließ, nagte der eine oder andere lediglich an einem Stück Gurke.

Das Hotel war übrigens schon eine Show an sich, überall mischte sich hochmoderne neue Einrichtung mit altem, seit fünfzig Jahre nicht verändertem das Ganze hatte dadurch eine unglaublichen Charme und ein ganz eigenes Fluidum.

Nach dem Frühstück gings nach Dresden, Stadtbesichtigung und ausgeliehenes Material vom Open wieder bei Mädlers abliefern. Dresden ist ja eine wunderschöne Stadt, wer sie noch nicht kannte, konnte auf dem Platz vor der Frauenkirche und beim Spaziergang entlang der Elber jedenfalls einen kurzen Eindruck davon gewinnen. Für unseren Maik war auf jeden Fall der Besuch einer Konditorei und der Verzehr von Eierschecke das Wichtigste. Natürlich wurde auch dieser Programmpunkte zur vollsten Zufriedenheit abgearbeitet.

Bei Mädlers wurde dann das Material abgeliefert, der einen oder anderen Geschichte aus Mädlers schier unerschöpflichen Fundus gelauscht, seine Sammlung an alten Schachuhren begutachtet und anhand der Fotos an der Wand heiteres Großmeisterraten gespielt. Doch auch hier hieß es sich irgendwann trennen und die Rückreise antreten. Diesmal ohne Reifenplatzer, so kamen wir gut zurück. Ich wurde in Reinbek als Erster ausgeladen und als Abschluss der Tour durfte das gemeinsame Gruppenpinkeln an der Hecke meine Nachbarn nachhaltig beeindruckt haben.


Ein toller Ausflug – eine tolle Idee, ich möchte nicht schließen ohne mich noch einmal bei allen, die diesen Ausflug möglich gemacht haben, vor allen bei Maik und den Ebersbacher Gastgebern ganz herzlichst bedanken. Es herrschte eine tolle, lockere Atmosphäre, die allen Beteiligten unglaublichen Spaß gemacht hat.

Heinz-Werner Szudra