Aufstiegschance für die Neunte

Im tiefsten Winter, bei grimmigem Frost, Eis und Schnee, begann für uns am Montag, den 5. Januar, im abgelegenen Großhansdorf die diesjährige Saison in der Kreisliga D.

Die Anreise war eine logistische Herausforderung. Nach der Arbeit ging es für mich mit der U1 von der City über Farmsen, Volksdorf durch stormarner Schneelandschaften bis zur U-Kieckut; ein menschenleerer Ort mitten im Nirgendwo. Mit etwas Glück fand ich dennoch pünktlich zum Spiellokal. Um 19 Uhr waren wir bereits zu zweit.

Unsere Gastgeber waren so fair, den Mannschaftskampf aufgrund der widrigen Verhältnisse erst um 19:15 Uhr beginnen zu lassen. Immerhin konnten wir dann zu siebt antreten. Am Ende sollte es aber doch nur zu 3 Brettpunkten für uns reichen. Eine besondere Schwere der Schuld trifft dabei mich selber. Mein mit den schwarzen Steinen spielender Gegner hatte sich in der „Russischen Verteidigung“ einen groben Eröffnungsfehler geleistet, welcher ihn einen Bauern für absolut NICHTS kostete. Sowas MUSS dann gewonnen werden! Aber ich brachte es fertig, die Partie noch wegzuschmeißen, was ich in letzter Zeit ziemlich gut kann.

Als nächstes spielten wir dann am 20. Januar unsere Heimpremiere gegen Farmsen; diesmal in Bestbesetzung. Die Begegnung lief von Anfang an in unsere Richtung. Nachdem ich sah, wie Ingo, der diesmal vor mir an Brett 1 spielte, seine Caro-Kann-Verteidigung in den Remishafen gesteuert hatte, bedeutete dies bereits das 4,5 (!) für uns.

Zu diesem Zeitpunkt spielte ich abermals mit den weißen Steinen gegen die „Russische Verteidigung“. Wie sich in der späteren Analyse im „Dschungel“ zeigte, hatte ich zuvor bereits zwei Gewinnkombinationen nicht gesehen. Die Stellung war etwa im Gleichgewicht. Normalerweise hätte ich nun Remis angeboten, was mein Gegner auch sofort angenommen hätte, wie er nach der Partie sagte. Zuletzt hatte ich mir jedoch häufiger den Vorwurf gefallen lassen müssen, Partien „nicht zu Ende zu spielen“ und zu oft Remis zu machen. Und deswegen spielte ich diesmal weiter – und verlor.  Tja, … Zum Glück fiel das bei unserem 5,5 : 2,5 – Sieg nicht allzusehr ins Gewicht.

Unseren dritten und bislang letzten Mannschaftskampf absolvierten wir am Dienstag, den 3. Februar, in Sasel. Wetter und Entfernung stellten fast ein Ebenbild zu unserem ersten Mannschaftskampf in Großhansdorf dar. Diesmal fuhr ich mit der U1 bis nach Volksdorf und von dort weiter mit dem Bus bis nach Sasel. Noch immer lagen Schnee und Eis. Für Thomas war es indes fast ein „Heimspiel“, weil er in der näheren Umgebung wohnt. Wir unterhielten uns noch eine zeitlang angeregt über „Alte Zeiten“ vor der Tür. Denn Thomas und ich haben ja bereits 1991 (!) Mannschaftskämpfe zusammen bestritten.

Da der weite Weg nach Sasel für Ingo unzumutbar war, durfte ich einmal mehr mit Weiß und an Brett 1 spielen. Bevor die Partie freigegeben wurde, hatte ich noch Gelegenheit mit meinem Gegner, Senior Walter Blumenberg, einen kurzen Smalltalk zu führen. Zunächst fragte er, welche HSK-Mannschaft (?!?) wir denn seien? „Gar keine“, antwortete ich. Nachdem das Missverständnis ausgeräumt war, erzählte Walter noch von einem viele Jahre zurückliegenden Auswärtskampf, den er einst im alten St. Pauli-Clubheim mitgespielt hat. Es habe ihm da sehr gut gefallen. Bloß, daß alle Leute dort BIER getrunken haben, fand er nicht so schön, ha-ha :-).

Diesmal sah ich mich mit der „Französischen Verteidigung“ konfrontiert. Und obwohl man mir nachsagt, mich ziemlich gut mit Eröffnungstheorie auszukennen, setzte Walter Blumenberg mir eine Variante vor, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, und von der ich nicht mal wußte, daß es sie überhaupt gibt. Und so schlichen sich dann auch gleich erste Ungenauigkeiten ein, die allmählich zu einer bedenklichen Stellung für mich führten. Ich hatte Glück, daß mein Gegner seinerseits auch nicht immer den besten Zug fand, sodaß ich mich nach und nach wieder konsolidierte und sogar etwas besser stand. Beim Stande von 3:2 für uns bot ich Remis an, was mein Gegner akzeptierte.

Zuvor hatte ich die noch offene Partie von Thomas als klar gewonnen eingeschätzt, denn er hatte einfach zwei gesunde Mehrbauern. Doch als ich das nächste Mal schaute, hatte Thomas seine zwei Mehrbauern irgendwie wieder eingestellt. In einem packenden Finish gelang es Thomas aber doch noch, seine Partie zu gewinnen.

Wir gewannen den Kampf gegen Sasel mit 4,5 : 3,5.

Den nächsten Kampf bestreiten wir am 24. März zu Hause gegen das Team von „Barrio Stadtpark“. Falls es uns gelingen sollte, diesen Kampf zu gewinnen, hätten wir sogar reale Aufstiegschancen!

Wir sind motiviert.

Michi Knaak

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