2. Schach-Bundesliga: FCSP vs. Glückauf Rüdersdorf 3,5-4,5

Unglückliche Heimniederlage

Dass (selbst) Schach ein absolut interessantes Spiel für Zuschauer ist, hat sich in unserem Zweitliga-Heimspiel gegen Rüdersdorf gezeigt. Und damit meine ich nicht die außergewöhnlich schöne Heimspielstätte in der Galerie Slife in der Neustadt. Dieser Wettkampf war hochdramatisch!

Dabei sollte man allerdings nicht in einer typische Anfängerfalle tappen und sich direkt zu Spielbeginn in die Arena einfinden. Die ersten Stunden eines Schachwettkampfes sind nämlich wirklich ein wenig dröge. Es sei denn, man hat großen Spaß daran, Menschen stundenlang beim Grübeln zuzusehen, um dann letztlich doch den Zug auszuführen, den Hein Blöd schon 1878 in Hintertupfingen gegen Käpt‘n Blöd gespielt hat.

Ergo starte ich mit dem Bericht in der 4. Stunde: Nach drei unglücklichen Niederlagen , einem Sieg am Spitzenbrett und zwei Remis stand es 2:4. Zwei Partien liefen noch. An Brett 2 spielte Aljoscha Feuerstack mit Weiß gegen den polnischen Internationalen Meister Arkadiusz Leniart, und an Brett 5 duellierte sich Jonah Krause mit Schwarz gegen Maciej Sroczynski.

Aus beiden Partien müssten zwei Siege hervorgehen, wenn wir den Wettkampf nicht verlieren wollten. Und damit begann die Dramatik. Jonah hatte eine Qualität geopfert, also einen Turm gegen einen Offizier gegeben, um seinen Figuren ein besseres Zusammenspiel zu verschaffen und den Gegner so unter Druck zu setzen. Aljoscha spielte ein sehr schwieriges Endspiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Auch er entschloss sich, einen Läufer zu opfern, um dadurch zwei Bauern zu gewinnen und setzte seine Initiative daran, mit einem dieser beiden Bauern zu einer neuen Dame durchzulaufen.

Beide Gegner wehrten sich sich massiv gegen diese Pläne. Maciej gelang es, eine Festung aufzubauen. Mit seinem letzten Läufer deckte er seine verbliebenen Bauern, und der König verhinderte mit seinem dicken Bauch, dass Jonah am Damenflügel durchdringen konnte. Aber Jonah spielte sehr geschickt, unternahm immer wieder Versuche, in das Bollwerk einzudringen und gab seinem Kontrahenten viele Möglichkeiten, einen Fehler zu machen. Und wie es häufig so ist, irgendwann bricht der Widerstand. Nach mehr als 5 Stunden und 100 Zügen gelang Jonah das entscheidende Manöver, und sein König konnte Druck auf den ersten Stützbauern aufbauen. Damit fiel dann die Basis für die weiteren Bauern seines Gegners. Es stand nur noch 3:4!

Nun richteten sich die Blicke der 30 Zuschauer auf Brett 2. Aljoscha hatte gute Fortschritte gemacht. Er konnte den schwarzen König, die wichtigste Angriffsfigur in diesem Endspiel, abschneiden, so dass dieser nicht teilhaben konnte. Die Bauern waren etwas weiter vorgezogen, und wenn Schwarz nun eine Ungenauigkeit einstreute, könnte dieser Wettkampf noch in einem 4:4 enden. Aber leider kam es nicht so wie erhofft, Arkadiusz spielt blitzsauber und fand immer wieder die einzigen Züge, seine Stellung zu verteidigen. Er opferte dann bei guter Gelegenheit seinen Läufer zurück und eroberte dadurch Aljoschas letzte Bauern. Nun war ein Gewinn nicht mehr möglich.

Nach 6 Stunden endete die Partie im Remis, und wir hatten damit unser erstes (von zwei) Heimspielen in dieser Saison verloren. In der nunmehr zweiten Zweitligasaison steht unser erstes Team aber weiterhin im Mittelfeld der Tabelle und kann sich realistische Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen.