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Ernst Meyer über die Anfänge der Schachabteilung des FC St. Pauli



"Die ersten Anfänge unserer Schachspieler gehen auf das Jahr 1929 zurück. Wir spielten im Clubraum unseres damaligen Vereinslokals Blunk in der Kieler Straße. Der erste Leiter unserer kleinen Schar war Ali Cahn. Es tauchen unter den Spielern Namen wie Otto Röbe, Berni Schreiner, Amandus Vierth, Ernst Meyer und Gustav Tiedemann auf.

Ein erstes Turnier sah Berni Schreiner als Sieger, so daß unser damaliger Ligaspieler als erster den Titel eines Clubmeisters trug. Aus diesen kleinen Anfängen heraus entwickelte sich im Laufe der Jahre zwar ein stetiger Spielbetrieb, zu einem festen Aufbau oder zur Gründung einer eigenen Abteilung kam es jedoch nicht - es wurde eben nur Schach gespielt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Grundstein zu einer selbständigen Abteilung gelegt. Wir trafen uns allwöchentlich in unserem damaligen Vereinslokal Café Siegler; teils um die nach und nach heimkehrenden Kameraden wiederzusehen, teils um unseren brach liegenden Spielbetrieb neu aufzubauen. Als der spätere Abteilungsleiter Ernst Meyer den Gedanken des Schachspielens erneut aufgriff, sammelten sich sofort einige Kameraden um ihn. Wir fingen wieder an. Wer noch ein Schachspiel im Hause hatte, mußte es mitbringen.

In unserem Spielraum, dem Vorstandszimmer in der alten Geschäftsstelle, waren die Bombenschäden des Krieges nachdrücklichst spürbar geblieben. Das Zimmer hatte keine Fenster, Decke und Wände waren gleichfalls arg mitgenommen. Wir spielten im Stehen mit Hut und Mantel. Berni Schreiner, Georg Paul, Horst Böhm, Guschi Dorn und Ernst Meyer, aber auch noch einige andere Spieler machten hier im Winter 1947 ihre ersten Partien. Als wir unter dem Namen FC St. Pauli von 1910 e.V. Schachabteilung dem Hamburger Schachverband beigetreten waren, wurde Ernst Meyer Abteilungsleiter, den Posten des Schachwarts übernahm Fiete Schröder.

Bei den Mannschaftskämpfen um die Hamburger Meisterschaft wurden wir in die C-Klasse eingereiht.

Unsere erste Mannschaft spielte in dieser Aufstellung: Hartmann, Böhm, Schröder, Siegmund, Paul, Dorn, Schreiner, Meyer, Trede und Schöning.

Als wir im Winter 1948/49 unser erstes größeres Turnier abwickelten, war schon unser damaliger Ligaspieler Günther Woitas zu uns gestoßen. Dieser bewies, daß er nicht nur von der Lederkugel, sondern auch vom Schachspiel allerhand verstand. Er zeigte sich uns allen überlegen, wurde Sieger unseres Turniers und damit Klubmeister. Man schrieb in den Fußballkritiken über ihn als den Schachprofessor. Günther Woitas errang den Titel 'Klubmeister' viermal hintereinander; der nächste Sieger war Carl Sommerfeld."

Quelle: Ernst Meyer, in: Schachabteilung des FC St. Pauli (Hg.), 25 Jahre Schachabteilung FC St. Pauli, o. J., o. O.